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ſchaftlicher Freund. 36
Waſſer und Citronenſchale,
concentrirte ſich dermaßen um den warmen Kamin herum,
glaubſt Nr. Närrin aus mir machte(ſeiner ſelbſt gar nicht zu er⸗
wähnen, da er todt iſt)?“
„Das kann ich unmöglich ſagen, meine Liebe. Ich habe Dir, ſeit ſein Teſtament zum Vorſchein gekommen, unzählige Male wiederholt, daß ich bezweifle, ob ich je hundert Worte mit dem alten Herrn gewechſelt habe. Falls es ſeine Grille war, uns zu überraſchen, ſo iſt ihm dieſelbe geglückt. Denn das hat er jedenfalls gethan.“
„Und ich ſtampfte mit dem Fuße und ſchrie, als er mich zum erſtenmal betrachtete?“ ſagte Bella, den bereits erwähnten kleinen Fuß betrachtend.
„Du ſtampfteſt mit Deinem kleinen Fuße, meine Liebe, und ſchrieſt mit Deiner kleinen Stimme, und ſchlugſt mich mit Deinem kleinen Hute, den Du Dir zu dem Zwecke vom Kopfe geriſſen,“ erwiderte der Vater, als ob die Erinnerung den Rum gewürzt:„Du thateſt dies eines Sonntag Morgens, als ich mit Dir ausging, weil ich nicht genau den Weg gehen wollte, den Du zu gehen wünſchteſt, und der alte Herr, der in der Nähe ſaß, ſagte:„Das iſt ein niedliches Mädchen; das iſt ein ſehr niedliches Mädchen, ein vielverſprechendes Mädchen!“ Und das warſt Du, meine Liebe. „Und dann fragte er Dich nach meinem Namen, wie, Papa?“
„Dann fragte er nach Deinem Namen und nach dem meinigen; und an anderen Sonntagsmorgen, wenn wir
ſeines Weges gingen, ſahen wir ihn wieder, und— und
das iſt wirklich Alles.“
Und das war außerdem all der Grog; oder mit an⸗ deren Worten, als R. W., indem er den Kopf zurück⸗ warf und das Glas auf ſeiner Naſe und Oberlippe umkehrte, zu verſtehen gab, daß daſſelbe leer und zum Wiederfüllen bereit ſei, bemerkte jene Heldin, Mrs. Wil⸗ fer, in Kürze„Schlafenszeit,“ und ſomit wurden die Flaſchen eingeſchloſſen und die Familie zog ſich zurück: Mrs. Wilfer mit ihrem cherubiſchen Begleiter, gleich einer
SHeeiiligen in einem Gemälde, oder einer blos menſchlichen
Dame, allegoriſch behandelt.
„Und morgen um dieſe Zeit,“ ſagte Lavinia, als die boeiden Mädchen allein in ihrem Zimmer waren,„werden wir Mr. Rokeſmith hier haben, und erwarten, daß er uns die Kehlen abſchneidet.“
„Du brauchſt Dich deshalb nicht zwiſchen mich und das Licht zu ſtellen,“ ſagte Miß Bella; das iſt wieder eeine Folge der Armuth! Daß ein Mädchen, welche wirklich ſcchönes Haar beſitzt, daſſelbe bei einem einzigen Lichte und vor ein paar Zoll Spiegelglas machen muß!“ „Du fingſt Georg Sampſon damit, Bella, ungeachtet ddieſer ſchlechten Hülfsmittel.“ „Du gewöhnliche kleine Kreatur. Fingſt Georg Sampſon damit! Sprich nicht vom Fangen, Miß, bis Du ſelbſt zum Fangen alt genug biſt.“ I„Vielleicht bin ich es ſchon,“ murmelte Luvinia, den Kopf zurückwerfend.
b„Was ſagſt Du?“ fragte Bella ſehr ſcharf. ſagſt Du, Miß?“
Da Lavinia das, was ſie geſagt, weder wiederholen noch erklären wollte, verſank Bella allmälig beim Haar⸗ kämmen in ein Selbſtgeſpräch über den Jammer der Ar⸗ muth, wie ſich dieſelbe im Mangel an Kleidern und in der Nothwendigkeit, ſich vor einer garſtigen Kiſte, ſtatt einem ſchönen Toilettentiſche, ankleiden, und verdächtige Miethsleute im Hauſe aufnehmen zu müſſen, fühlbar machte. Auf dieſes letztere Leid legte ſie beſonderen Nach⸗ druck,— und würde vielleicht noch größeren Nachdruck darauf gelegt haben, hätte ſie gewußt, daß, falls Mr. Julius Handford einen Zwillingsbruder in dieſer Welt beſeſſen, Mr. John Rokeſmith der Mann war.
„Was
Funſtes Lapiie 5 Boffin's Laub t. e.
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In einer Straße von London, unfern Cavendiſh⸗ Square, an einem Eckhaufe, hatte ſeit einigen Jahren ein Mann mit einem hölzernen Beine geſeſſen— welches letztere bei kaltem Wetter in einem Korbe ruhte— und ſich in folgender Weiſe ſeinen Lebensunterhalt erworben: — Jeden Morgen um acht Uhr humpelte er nach jener Ecke, indem er einen Stuhl, einen Kleiderbock, ein Paar
kleinere hölzerne Böcke, ein Brett, einen Korb und einen Regenſchirm— Alles mit einem Riemen zuſammenge⸗ ſchnürt— mitbrachte. Indem er die Gegenſtände von einander trennte, geſtalteten ſich die kleinen hölzernen Böcke und das Brett zu einem Ladentiſche, der Korb lieferte einiges Obſt und gewiſſe Süßigkeiten und ver⸗ V wandelte ſich dann in einen Fußwärmer, der Kleiderbock trug eine ausgewählte Sammlung von wohlfeilen Balla⸗ den zur Schau und ward zugleich eine Art Schirm, und der Stuhl, der in den ſcharfen Winkel deſſelben geſtellt wurde, bildete ſeinen Ruheſitz für den Reſt des Tages. Alle Arten von Wetter fanden den Mann an ſeinem Poſten. Er hatte ſeinen hölzernen Stuhl mit einer Art von Rücklehne verſehen, indem er denſelben an einen Laternenpfoſten geſtellt. Wenn es regnete, öffnete er ſeinen Regenſchirm, um ſeine Waaren, nicht ſich ſelbſt zu ſchützen; war es trockenes Wetter, ſo legte er jenen ſtark verblichenen Gegenſtand zuſammen, umwickelte ihn mit einem Endchen Bindfaden und legte ihn der Quere nach unter die Holzböcke, wo er dann einem krankhaft forcirten Treibhaus⸗Salatkopfe glich, der das, was er an Umfang gewonnen, zugleich an Farbe und Friſche verloren.
Er hatte ſich das Recht zu dieſem Winkel unter der Hand durch Verjährungsrecht erworben. Er hatte das Terrain nie um einen Zoll verändert, aber zu Anfange ganz beſcheiden diejenige Ecke eingenommen, welche von der Seite des Hauſes gebildet wurde. Es war eine heulende Ecke im Winter, eine ſtaubige Ecke im Sommer und zu keiner Zeit eine begehrungswerthe Ecke. Obdach⸗ loſe Strohhalme und Papierſchnitzel erhoben ſich in Wirbelwinden, wenn in der Mitte der Straße Ruh' und Frieden herrſchte; und der Waſſerkarren kam ungeſchickt und rumpelnd, wie wenn er betrunken oder kurzſichtig ſei, um dieſelbe herum und machte ſie kothig, während Alles ringsum ſauber war.
Vorn an ſeinem Ladentiſche hing ein kleines Plakat, auf welchem in ſeiner eigenen kleinen Handſchrift folgende Inſchrift zu leſen war:


