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33 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 34
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gegen Sie, falls Sie ſich in bedrängten Umſtänden be⸗ fänden(dies iſt eine bloße Vorausſetzung)—“
Da das Gewiſſen hier R. Wilfer erröthen machte, kam Mrs. Wilfer ihm aus einem Winkel(ſie befand ſich ſtets in majeſtätiſchen Winkeln) mit einem volltönenden „Vollkommen billig“ zu Hülfe.
„— Je nun,— da könnte ich es verlieren.“
„Nun,“ ſagte R. Wilfer weiter,„Geld und Gut ſind allerdings die beſte Bürgſchaft.“
„Glaubſt Du dies in der That, Papa?“ fragte Miß Bella mit leiſer Stimme und ohne über ihre Schulter zu blicken, während ſie ſich auf dem Schutzeiſen vor dem Kamine den Fuß wärmte.
„Sie gehören zu den beſten, meine Liebe.“
„Ich hätte gemeint, daß es ſo leicht geweſen wäre, noch die gewöhnliche hinzuzufügen,“ ſagte Bella, ihre Locken ſchüttelnd.
Der Herr hörte ſie mit ſichtlicher Aufmerkſamkeit an, obgleich er weder aufſchaute, noch ſeine Stellung verän⸗ derte. Er ſaß ſtill und ſchweigend da, bis ſein Wirth ſeine Vorſchläge annahm und die Schreibmaterialien brachte, um das Geſchäft abzuſchließen. Er ſaß ſtill und ſchweigend da, während der Wirth ſchrieb.
Als der Contract in doppelter Abſchrift vollendet war, wurde derſelbe von beiden Parteien unterzeichnet, wobei Bella als hochmüthige Zeugin zuſchaute. Die beiden Parteien waren R. Wilfer und John Rokeſmith.
Als Bella an die Reihe kam, ihren Namen zu unter⸗ ſchreiben, beobachtete Mr. Rokeſmith, welcher ebenſo, wie er am Tiſche geſeſſen, jetzt, die Hand auf die Ecke deſſel⸗ ben ſtützend, daneben ſtand, ſie verſtohlen, aber ſcharf. Er betrachtete die hübſche Geſtalt, die ſich über das Papier beugte und ſagte:„Wo ſoll ich mich unterſchreiben, Papa, hier in dieſer Ecke?“ Er betrachtete das ſchöne braune Haar, welches das coquette Geſichtchen einrahmte; er be⸗ trachtete die freien Schriftzüge ihrer Unterſchrift, die für eine weibliche eine kühne und feſte war; und dann ſchau⸗ ten ſie einander an.
„Sehr verbunden, Miß Wilfer.“
„Verbunden?“
„Ich habe Ihnen ſo viele Mühe verurſacht.“
„Indem ich meinen Namen unterſchrieben? Ja, aller⸗ dings. Aber ich bin die Tochter Ihres Wirthes, Sir.“
Da jetzt nichts weiter zu thun übrig blieb, als acht Sovereigns als Anzahlungsgeld auf den Tiſch zu legen, den Contract in die Taſche zu ſtecken, die Zeit ſeiner Ankunft und die ſeines Zimmergeräths zu beſtimmen und zu gehen, ſo that Mr. Rokeſmith dies, ſo ungeſchickt, wie es nur gethan werden konnte, und wurde dann von ſei⸗ nem Wirthe an die freie Luft hinaus begleitet. Als R. Wilfer, mit dem Lichte in der Hand, wieder in den Schooß ſeiner Familie zurückkehrte, fand er den Schooß in großer Bewegung.
„Papa,“ ſagte Bella,„wir haben einen Mörder zum Miethsmanne.“
„Papa,“ ſagte Lavinia,„wir haben einen Räuber.“
„Meine Lieben,“ ſagte ihr Vater,„er iſt ein ſchüch⸗ terner Herr, und ich denke mir, beſonders in Gegenwart von Mädchen in Eurem Alter.“
„Unſinn,— unſer Alter!“ rief Bella ungeduldig,„was hat das mit ihm zu thun?“
„Und überdies ſind wir nicht in demſelben Alter— von welchem Alter?“ fragte Lavinia.
„Miſche Du Dich nicht darein, Lavy,“ entgegnete Bella;„warte, bis Du alt genug biſt, ſolche Fragen zu thun. Papa, merke Dir, was ich ſage! Zwiſchen Mr. Rokeſmith und mir herrſcht eine natürliche Antipathie und ein tiefer Argwohn; und es wird Etwas daraus entſtehen!“
.„Meine Lieben und meine Mädchen,“ ſagte der pa⸗ triarchaliſche Cherub,„zwiſchen Mr. Rokeſmith und mir hat ein Austauſch von einem Blatte Papier und acht So⸗ vereigns ſtattgefunden, und daraus ſoll etwas entſtehen — zum Nachteſſen, wenn Ihr Euch über die Speiſe eini⸗ gen wollt.“
Hierdurch erhielt der Gegenſtand eine feine und glück⸗ liche Wendung, da Gaſtgelage im Wilfer'ſchen Hauſe eine Seltenheit waren, und das einförmige Erſcheinen des holländiſchen Käſes bereits ziemlich häufig durch Miß Bella's runde Schultern mit Mißbilligung begrüßt wor⸗ den. Der beſcheidene Holländer ſchien ſich in der That ſeines Mangels an Abwechſelung ſelbſt bewußt, denn er erſchien meiſtens in einem Zuſtande ſich entſchuldigender Transpiration vor der Familie. Nach einigen Crörte⸗ rungen über die relativen Verdienſte von Kalbscoteletten, Bröschen und Hummer, ward zu Gunſten der Kalbscote⸗ letten entſchieden. Dann legte Mrs. Wilfer— wie zum vorläufigen Opfer für die Herrichtung der Bratpfanne— ihr Taſchentuch und ihre Handſchuhe ab, und R. W. ſelbſt ging aus, die Fleiſchſpeiſe einzukaufen. Er kehrte bald wieder zurück und brachte dieſelbe in einem friſchen Kohlblatte, in dem es in der keuſchen Umarmung einer Speckſchnitte ruhte. Bald ſtiegen melodiſche Klänge aus der Bratpfanne empor und machten Tanzmuſik für das wechſelnde Licht des Kaminfeuers, das in die lauſchigen Hallen zweier gefüllter Flaſchen auf dem Tiſche fiel.
Lavy deckte den Tiſch. Bella, die anerkannte Zierde der Familie, beſchäftigte ihre Hände, indem ſie, in dem bequemſten Lehnſtuhl ſitzend, ihre Locken glättete und hin und wieder eine Weiſung in Bezug auf das Nachteſſen gab: wie„Sehr braun, Mama;“ oder zu ihrer Schweſter: „Stelle das Salzfaß gerade auf den Tiſch und ſei nicht ſo unordentlich, Du kleine Gans.“
Inzwiſchen ſaß ihr Vater harrend zwiſchen Meſſer und Gabel, klimperte mit Mr. Rokeſmith's Gold, be⸗ merkte, daß ſechs der Sovereigns gerade zur rechten Zeit angelangt ſeien, um den Hauswirth zu bezahlen, und ſtellte dieſe in einem kleinen Häufchen auf dem Tiſche auf.
„Ich haſſe unſern Hauswirth,“ ſagte Bella.
Doch da ſie das Geſicht ihres Vaters ſich verändern ſah, ging ſie und ſetzte ſich zu ihm an den Tiſch und begann mit dem Stielende einer Gabel ſein Haar zu arrangiren. Es gehörte zu den verzogenen Gewohnheiten des Mädchens, daß ſie ſtets das Haar der Familie arran⸗ girte— vielleicht weil ihr eigenes Haar ſo hübſch war und ſo viel von ihrer Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahm.
„Du verdienſt ein eigenes Haus zu beſitzen, nicht wahr, Du armer Papa?“
„Ich verdiene dies nicht mehr, als Andere, meine Liebe.“
„Wenigſtens bedarf ich deſſelben mehr, als Andere,“ ſagte Bella, ihn am Kinn feſthaltend, indem ſie ſein flachsfarbenes Haar über der Stirn emporrichtete,„und es thut mir weh, dies Geld dem Ungeheuer überlaſſen zu müſſen, das ſo viel verſchlingt, während wir Alle im größten Mangel an— Allem ſind. Und wenn Du ſagſt(und Du wünſcheſt, dies zu ſagen, ich weiß, daß Du es ſagen möchteſt, Papa):„Das iſt weder verſtändig, noch ehrlich, Belly,“ dann antworte ich Dir:„Vielleicht nicht, Papa— ſehr wohl möglich— aber es iſt eine von den Folgen der Armuth und von einem gründlichen Haſſe und Abſcheu gegen die Armuth und dies iſt mein Fall.“ Jetzt ſiehſt Du reizend aus, Papa; warum trägſt Du Dein Haar nicht immer ſo? Und hier ſind die Kalbscoteletten! Wenn ſie nicht ſehr braun ſind, Mama, ſo kann ich ſie nicht eſſen, und es muß ein Stück wieder für mich in die Pfanne gethan werden.“
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.


