27 Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 28
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wöhnlicher Herkunft und Beſchäftigung, daß ihre Ahnen ſeit mehreren Generationen ſich auf das Beſcheidenſte durch die Docks, das Steueramt und das Zollamt ihren Lebensunterhalt erworben, und der gegenwärtige R. Wilfer war ein armer Comptoiriſt, er war ein ſo armer Comptoiriſt, daß er, obwohl er einen kleinen Gehalt und eine große Familie hatte, noch nie das beſcheidene Ziel ſeines Ehrgeizes zu erreichen im Stande geweſen, welches dahin ging, einmal einen voll⸗ ſtändigen neuen Anzug, incluſive Hut und Stiefeln, zu gleicher Zeit zu tragen. Sein ſchwarzer Hut war ſtets braun, ehe er einen Rock anſchaffen konnte, und ſeine Beinkleider waren weiß an den Nähten und auf den Knien, ehe er die Stiefel kaufen konnte, und die Stiefel waren abgetragen, ehe er ſich ein Paar neue Beinkleider vergönnen durfte, und wenn er wieder bei dem Hute an⸗ gelangt war, überdachte dieſer neue, glänzende Gegen⸗ ſtand eine alterthümliche Ruine aus verſchiedenen Zeit⸗ punkten.
Falls der conventionelle Cherub jemals heranwachſen und gekleidet werden könnte, ſo dürfte man ihn als ein Portrait von Wilfer photographiren. Sein bausbäckiges, glattes, unſchuldiges Geſicht war der Grund, daß er, wenn nicht mit Uebermuth, ſtets mit Herablaſſung be⸗ handelt wurde. Falls ein Fremder Abends zehn Uhr ſein ärmliches Haus beſucht, ſo hätte derſelbe überraſcht ſein dürfen, indem er ihn zum Nachteſſen aufſitzen ge⸗ ſehen. Es war etwas ſo Knabenhaftes in all' ſeinen Proportionen, daß ſein alter Schulmeiſter, falls er ihm
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Bäume oon derſelben geſchieden.
große funkelnde Meſſingplatte auf der Thür zu erkennen gegeben.
R. Wilfer verſchloß eines Abends ſein Pult und wandte ſich, nachdem er ſeine Schlüſſel etwa, wie wenn dieſelben ſein Kreiſel geweſen, in die Taſche geſteckt, heim⸗ wärts. Seine Behauſung lag in der Region von Hollo⸗ way, nördlich von London, und dann durch Felder und Zwiſchen der Battle⸗ Brücke und demjenigen Theile des Diſtrictes von Hollo⸗ way, in welchem er wohnte, lag eine vorſtädtiſche Sahara, wo Dach⸗ und Ziegelſteine gebrannt, Knochen gekocht, Teppiche ausgeklopft, und Kehricht ausgeſtürzt wurde,
wo Hunde kämpften und wo Staubcontrahenten ihren
zufällig in Cheapſide begegnet, möglicherweiſe nicht der
Verſuchung zu widerſtehen im Stande geweſen wäre, ihn auf der Stelle durchzuprügeln. Kurz, er war der con⸗ ventionelle Cherub, etwas grau, mit Spuren der Sorge in ſeinem Geſicht und in entſchieden inſolventen Um⸗ ſtänden.
Er war ſchüchtern und nannte ſich ungern Reginald,
Staub aufhäuften. R. Wilfer ging auf ſeinem Heim⸗ wege an der äußeren Grenze dieſer Wüſte entlang, wo die Gluth der Brennöfen rothe Streifen in den Nebel warf, und er ſeufzte und ſchüttelte das Haupt.
„Ah“! ſagte er,„das, was hätte ſein können, iſt nicht das, was iſt!“
Und mit dieſem Commentar auf das menſchliche Leben, der auf Erfahrung deſſelben hindeutete, die nicht excluſive nur ihm zu Theil geworden, eilte er dem Ziele ſeiner Wanderſchaft zu.
Mrs. Wilfer war natürlich eine große und eine eckige Frau. Da ihr Herr und Gebieter cherubiſch, war ſier nach den Grundſätzen, welche in ehelicher Beziehung Con⸗ traſte vereinen, nothwendigerweiſe majeſtätiſch. Sie hatte ſehr die Gewohnheit, ihr Haupt in ein Taſchentuch zu wickeln, welches unter dem Kinn zuſammengeknotet wurde. Dieſen Kopfputz, ſowie ein Paar Handſchuhe, die ſie im Hauſe trug, ſchien ſie als eine Art von Harniſch gegen das Unglück(indem ſie denſelben ſtets anlegte, wenn ſie ſich in gedrückter Laune oder in Geldverlegenheit befand) oder eine Art von Feſtkleidung zu betrachten. Ihrem
Gatten ſank daher ein wenig der Muth, da er ſie in dieſem Putz erblickte als ſie ihr Licht in dem kleinen
ein Name, der ihm zu anmaßend und ſelbſtſtändig für
ihn erſchien. Bei ſeiner Unterſchrift bediente er ſich nur
des Buchſtabens R. und theilte die Bedeutung deſſelben
nur ſeinen auserwählteſten Freunden, und zwar unter dem Siegel des Vertrauens, mit. Es war hieraus in der Umgegend von Mincing Lane die ſcherzhafte Gewohnheit
entſtanden, ihm Taufnamen zu geben, die aus Adjectiven
und Participien, welche mit R. anfingen, gebildet wurden.
Einige derſelben waren mehr oder minder paſſend: wie zum Beiſpiel Roſtiger, Reizender, Rother, Runder, Reifer; andere entnahmen ihren Witz aus ihrem Mangel an An⸗ wendbarkeit, wie Raſender, Rächeriſcher, Raubſüchtiger. Doch ſein gewöhnlicher Name war Rumty, den ein Herr von geſellſchaftlichen Gewohnheiten, der mit dem Dro— gueriewaarenhandel in Verbindung ſtand, aus einem Verſe für ihn entlehnt, der den Anfang eines geſelligen
Chorgeſanges bildete, welcher dieſen Herrn zu dem Tempel
des Ruhms geführt, und deſſen ganzer bedeutungsvoller
Inhalt der folgende war: „Rumty, dideldum, rau dau dau, Singt heididel dei didel wau, wau, wau.“
Und ſo wurde er ſtets, ſelbſt in unbedeutenderen Ge⸗
ſchäftsbriefen„Lieber Rumty“ angeredet, in deren Be⸗ antwortung er ſich ganz geſetzt als„Aufrichtig der Ihre, R. Wilfer“ unterzeichnete.
Er war Comptoiriſt in dem Drogueriewaarengeſchäft von Chickſey, Veneering und Stobbles. Chickſey und Stobbles, ſeine früheren Prinzipale, waren beide in Veneering untergegangen, der einſt ihr Reiſender oder Commiſſionsagent geweſen, und der ſeine Obergewalt bei der Uebernahme des Geſchäfts durch eine Menge von Spiegelglas und Mahagony⸗Scheidewänden und eine
Hausflur niederſetzte und über den Vorhof kam um ihm das Pförtchen zu öffnen.
Es war Etwas mit der Hausthür vorgegangen, denn R. Wilfer ſtand auf der Schwelle ſtill, ſchaute die Thür an und rief aus:
„Hol— lah!“
„Ja,“ ſagte Mrs. Wilfer,„der Mann kam ſelbſt mit einer Kneipzange und nahm ſie ab und trug ſie fort. Er ſagte, da er keine Ausſicht habe, jemals dafür bezahlt zu werden und außerdem eine andere Beſtellung zu einer Thürplatte für eine Mädchenſchule erhalten, ſo ſei es ſo am beſten für alle Betheiligten.“
„Vielleicht hatte er Recht, meine Liebe; was meinſt Du?“
„Du biſt der Herr hier, R. W.,“ erwiderte die Gattin.„Es ſei, wie Du denkſt, nicht wie ich wünſche. Es wäre vielleicht beſſer geweſen, wenn der Mann die Thüre ebenfalls mit fortgenommen hätte?“
„Meine Liebe, wir hätten uns nicht ohne die Thür behelfen können.“
„Nicht?“
„Ich bitte Dich, meine Liebe, wäre es wohl möglich?“
„Ganz wie Du denkſt, R. W., nicht wie ich wünſche.“ Mit dieſen unterwürfigen Worten ging das gehorſame Weib ihm voran ein paar Stufen hinunter in ein kleines Vorderzimmer im Souterrain, das halb Küche, halb
Wohnzimmer war, wo ein junges etwa neunzehnjähriges
Mädchen mit einem außerordentlich hübſchen Geſicht und einer ſchönen Geſtalt, doch jenem ungeduldigen, reizbaren Ausdruck ſowohl in Geſicht als Schultern(welche letzteren bei ihrem Geſchlecht und in ihrem Alter ſehr ausdrucks⸗ fähig ſind) mit einem jüngeren Mädchen, dem jüngſten des Hauſes Wilfer, beim Damenſpiel beſchäftigt war.
mein ttar hyp prei dies fahre fang
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