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Unser gemeinschaftlicher Freund : Roman in vier Büchern / von Charles Dickens (Boz). Mit 40 Ill. von Marcus Stone. Aus dem Engl. von Marie Scott
Entstehung
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Unſer gemeinſchaftlicher Freund. 26

die auf ihren langen, dünnen Beinen etwas Grauſiges, Skelettartiges hatte.

Dort biſt Du, Wiſſen des Vaters, in der Schule; und Du gewinnſt Schulpreiſe und machſt immer mehr und mehr Fortſchritte; und Du wirſt ein wie nannteſt Du es noch, als Du mir davon erzählteſt?

Ha, ha! Die Wahrſagerin weiß den Namen nicht! rief der Knabe, dem dieſes Verſehen dort unten bei der Gluth gewiſſermaßen eine Erleichterung zu gewähren ſchien.Ein Unterlehrer.

Du wirſt ein Unterlehrer und Du machſt noch immer größere und größere Fortſchritte und ſteigſt bis zu einem gelehrten und geachteten Lehrer empor. Aber das Ge⸗ heimniß iſt dem Vater längſt verrathen und daſſelbe hat Dich vom Vater und von mir deſchiiden.

Nein, das hat es nicht gethan!

Doch, Charley. Ich ſehe ſo deutlich, wie nur mög⸗ lich, daß Dein Weg nicht der unſrige iſt, und daß der⸗ ſelbe, ſelbſt falls der Vater dahin gebracht werden könnte, dies zu vergeben(was niemals geſchehen könnte), durch den unſrigen verfinſtert werden würde. Aber ich ſehe auch, Charley

Noch immer ſo deutlich, wie nur möglich, Liz? frug der Knabe ſcherzend.

Ach! Noch immer. Ich ſehe, daß es ein Großes war, Dich von Vaters Leben getrennt zu haben, und einen neuen und guten Anfang gemacht zu haben. Da bin ich alſo, Charley, allein mit dem Vater, und halte ihn ſo ruhig, wie ich kann, und warte auf größeren Ein⸗ fluß über ihn, als ich habe, in der Hoffnung, ihn durch irgend einen künftigen Zufall, vielleicht wenn er krank iſt oder wenn ich weiß nicht, was zu beſſeren Dingen leiten zu können.

Du ſagteſt, Du könnteſt nicht leſen, Lizzie. Deine Bibliothek ſcheint mir dort unten in der Gluth zu ſein.

Ich würde ſehr froh ſein, wenn ich wirkliche Bücher leſen könnte. Ich fühle meine Unwiſſenheit ſehr, Charley. Doch würde ich dieſelbe noch weit mehr fühlen, wenn ich nicht wüßte, daß dieſelbe ein Band zwiſchen mir und dem Vater iſt. Horch! der Vater kommt!

Da es bereits nach Mitternacht war, ging der Raub⸗ vogel ſofort zur Ruhe. Am folgenden Tage, zu Mittag, erſchien er in der ihm nicht neuen Rolle eines Zeugen vor einem Leichenſchaugericht, wieder in denSechs luſti gen Brüdern.

Mr. Mortimer Lightwood erſchien nicht nur als Zeuge, ſondern auch als der ausgezeichnete Advocat, der, wie dies gebührend in den Zeitungen berichtet wurde, das Verfahren für die Repräſentanten des Verſtorbenen be⸗ obachtete. Der Herr Inſpector beobachtete ebenfalls und behielt ſeine Beobachtungen ſtrenge für ſich. Mr. Julius Handford hatte ſeine richtige Adreſſe genannt, und da er, in Bezug auf ſeine Rechnung, als ſolvent berichtet, obwohl man in jenem Hotel nichts weiter über ihn wußte, als daß er ein ſehr eingezogenes Leben führe, hatte

Charley, und lernſt heimlich, ohne

rer keine Vorladung erhalten, ſondern war nur im Geiſte

des Herrn Inſpectors zugegen.

Die Sache erhielt durch Mr. Mortimer Lightwood's Zeugniß, welches die Umſtände beregte, unter denen der

Verſtorbene, Mr. John Harmon, nach England zurück⸗ gekehrt, Intereſſe für das Publikum; Umſtände, deren excluſiver Privatbeſitz mehrere Tage hindurch von Veneering, Twemlow, Podsnap und all' den Dickköpfen an Mittags⸗ tafeln getheilt, und die von all' dieſen Herren auf die verſchiedenartigſte, unverträglichſte Weiſe dargeſtellt wur⸗ den und einander geradezu widerſprachen. Die Sache wurde außerdem durch das Zeugniß des Job Potterſon,

wie Ebbe und Fluth, war bald

eines Steward des Schiffes, und eines gewiſſen Mr. Ja⸗ cob Kibble, eines Reiſegefährten, intereſſant, welche er⸗ klärten, daß der Verſtorbene, Mr. John Harmon, in einer Handtaſche, mit der er ſich einſchiffte, die Summe mit brachte, die ihm der gezwungene Verkauf ſeines kleinen Gutes eingetragen, und daß dieſe Summe ſich in baarem Gelde auf mehr als ſiebenhundert Pfund Sterling be⸗ laufen. Dieſelbe wurde ferner durch die außerordentlichen Erfahrungen des Jeſſe Hexam intereſſant, welcher ſo viele Leichname aus der Themſe gezogen und für den ein ent⸗ zückter Bewunderer, der ſich alsein Freund von Beer⸗ digungen unterſchrieb(vermuthlich ein Leichenbeſorger) achtzehn Briefmarken ſchickte und fünf Briefe an die Times einſandte.

Nach dem von ihnen abgelegten Zeugniſſe ſprachen die Geſchworenen ſich in ihrem Urtheile dahin aus, daß der Leichnam von Mr. John Harmon in einem weit vorge⸗ ſchrittenen Zuſtand der Verweſung und ſtark verletzt in der Themſe gefunden worden, und daß beſagter Mr. John Harmon unter höchſt verdächtigen Umſtänden ſeinen Tod gefunden, wenngleich kein Zeugniß vorliege, nach dem die Geſchworenen zu beſtimmen im Stande ſeien, durch wen und auf welche Weiſe dieſer Tod herbeigeführt worden. Und ſie fügten zu dieſem Verdict die Empfeh⸗ lung an das Miniſterium des Innern hinzu(welcher der Herr Inſpector großen Beifall zu zollen ſchien), eine Be⸗ lohnung auf die Löſung des Geheimniſſes zu ſetzen. In⸗

nerhalb achtundvierzig Stunden wurde eine Belohnung

von Einhundert Pfund Sterling ausgeboten, in Verbin⸗ dung mit einem freien Pardon für Diejenigen, die, falls ſie nicht die Thäter ſelbſt u. ſ. w. Alles in herge brachter Form.

Dieſe Proklamation machte den Herrn Inſpector flei⸗ ßiger denn je und veranlaßte ihn, nachdenklich auf den Ufertreppen und Straßen umherzuſtehen und in Booten umherzulauern und Dieſes und Jenes zuſammenzuhalten. Doch, je nach dem Erfolge, wie man Dieſes und Jenes zuſammenhält, bringt man ein Weib und einen Fiſch ge⸗ trennt zum Vorſchein, oder die Combination einer See⸗ jungfer. Und der Herr Inſpector hatte nichts Beſſeres, als eine Seejungfer aufzuweiſen, an die kein Geſchwornen⸗ gericht glauben wollte.

Und ſo, gleich den Fluthen, die denſelben zur Kennt⸗ niß der Menſchen gebracht, ging derHarmon-Mord, wie er vom Volke genannt wurde hin und her, in der Stadt, bald auf dem Lande, bald in Paläſten, bald in Hütten, bald unter den Lords und Ladies und vornehmen Leuten, bald unter Tagelöhnern, Zimmerleuten und Laſtträgern, bis er endlich nach einem langen Zwiſchenraume von nie⸗ drigem Waſſer in's Meer hinaustrieb und verſchwand.

Piertes Capitel. Die Familie K. Wilfer.

Reginald Wilfer iſt ein Name von ziemlich groß⸗ artigem Klange, der bei erſter Bekanntſchaft zu allerlei Muthmaßungen über Monumente in Dorfkirchen und gemalte Kirchenfenſter führt und überhaupt an die De Wilfer's erinnert, die mit William dem Eroberer her⸗ überkamen. Denn es iſt ein bemerkenswerthes Factum in der Genealogie, daß kein De Irgendjemand je mit Jemand Anderem herüberkam.

Doch die Familie Reginald Wilfer war von ſo ge⸗