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trat, welches waſſerſüchtig in die Straße hineinbauſchte, um„ein Seidel zu trinken.“
Der Knabe öffnete die Thür, die er vorher geöffnet, und fand ſeine Schweſter, mit ihrer Arbeit beſchäftigt, vor dem Feuer. Sie erhob den Kopf, als er hereinkam und fragte:
„Wo gingſt Du hin, Liz?“
„Ich ging hinaus in die Dunkelheit.“
„Das hätteſt Du gar nicht nöthig gehabt. Alles in Ordnung.“
„Der eine der Herren, der, welcher nicht ſprach, ſo lange ich zugegen war, ſchaute mich ſcharf an. Und ich fürchtete, er könne in meinem Geſichte leſen. Doch— ſchon gut! Beunruhige Dich nicht meinetwegen, Charley. Ich zitterte an allen Gliedern, als Du dem Vater ein⸗ geſtandeſt, daß Du ein wenig ſchreiben kannſt.“
„O, aber ich that, als ob ich ſo ſchlecht ſchriebe, daß es kaum zu leſen ſei. Und wenn ich am langſamſten ſchrieb und am meiſten wieder mit dem Finger aus⸗
Es war
wiſchte, war der Vater, wie er neben mir ſtand und zu⸗
ſchaute, ſtets am zufriedenſten mit mir.“
Das Mädchen legte ihre Arbeit fort, zog ihren Sitz näher zu dem ſeinigen am Feuer heran und legte ihren Arm ſanft auf ſeine Schulter.
„Du wirſt Deine Zeit benutzen, nicht wahr, Charley?“
„Und ob! Komm! das gefällt mir. Thue ich es nicht etwa ſchon?“
„Ja, Charley, ja. Du biſt ſehr fleißig, das weiß ich wohl. Und ich arbeite ein wenig, Charley, und ſinne nach und mache Pläne(erwache zuweilen aus dem Schlafe mit Plänen), wie wir hier und dort einen Schilling zu⸗ ſammenbringen können, um den Vater glauben zu machen, daß Du anfängſt, Dir Etwas am Flußufer zu verdienen.“
„Du biſt des Vaters Liebling und kannſt ihn Alles glauben machen.“
„Ich wollt' es, Charley! Denn wenn ich ihn nur glauben machen könnte, daß es gut iſt, Etwas zu lernen und ein beſſeres Leben zu führen, da könnt' ich es faſt zufrieden ſein, zu ſterben.“
„Spricch nicht ſo leichthin über's Sterben, Liz.“
Sie legte ihre gefaltenen Hände auf ſeine Schulter, legte ihre warme bräunliche Wange auf dieſelben und ſagte, nachdenklich in's Feuer ſchauend:
„Abends, Charley, wenn Du in der Schule biſt und der Vater—“
„In den„Sechs luſtigen Brüdern,“ unterbrach ſie der Knabe, indem er mit dem Kopfe rückwärts in die Richtung der Branntweinſchenke nickte.
„Ja, wenn ich ſo daſitze und in's Feuer ſchaue, iſt
mir's, als ſähe ich in den glühenden Kohlen— etwa
dort, wo jetzt die Gluth iſt—
„Das iſt Gas,“ ſagte der Knabe,„und kommt aus einem Stückchen von einem Wald, der unter der Modde gelegen, die zur Zeit von Noah's Arche unter Waſſer war. Schau her! Wenn ich das Schüreiſen nehme— ſo— und damit in die Stelle hineinſtoße—“*
„Rühr's nicht an, Charley, oder es wird hell auf⸗ lodern. Ich meine jene matte Gluth daneben, die fort⸗ während kommt und geht. Wenn ich Abends in dieſelbe
Boz, Unſer gemeinſchaftlicher Freund.
hineinſchaue, Charley, ſo iſt mir's, als ob ich allerlei
Bilder darin ſähe.“
„Laß uns einmal ein Bild ſehen,“ ſagte der Knabe. „Sag' mir, wohin ich ſchauen ſoll.“
„Ach dazu bedarf es meiner Augen, Charley.“
führen.
„Losgeſchoſſen— erzähl' mir, was Deine Augen
daraus machen.“ „Ei, ich ſehe mich und ein kleines Kind biſt,— das nie eine Mutter kannte—“
Dich, Charley, wie Du noch indem er von ihren Augen in die Kohlenpfanne blickte,
„Sage nicht, daß ich nie eine Mutter kannte,“ unter⸗ brach ſie der Knabe,„denn ich kannte eine kleine Schwe⸗ ſter, die ſowohl Mutter als Schweſter war.“
Das Mädchen lachte freudig auf, und ihre Augen füllten ſich mit glücklichen Thränen, als er ſie mit beiden Armen umſchlang und ſo feſthielt.
„Ich ſehe Dich und mich, Charley, wenn der Vater auf die Arbeit gegangen und uns aus dem Hauſe ge⸗ ſchloſſen, damit wir nicht in's Feuer oder aus dem Fen⸗ ſter fielen, und wie wir auf unſerer Thürſchwelle und auf anderen Thürſchwellen und am Flußufer ſitzen und um⸗ herwandern, um uns die Zeit zu vertreiben. Du biſt ziemlich ſchwer zu tragen, Charley, und ich bin oft ge⸗ nöthigt, mich auszuruhen. Zuweilen ſind wir ſchläfrig und ſchlafen zuſammen in einem Winkel ein, zuweilen ſind wir ein wenig hungrig und zuweilen fürchten wir uns ein wenig, doch das, was uns am häufigſten weh thut, iſt die Kälte. Erinnerſt Du Dich wohl, Charley?“
„Ich erinnere mich,“ ſagte der Knabe, ſie zwei bis drei Mal an ſich drückend,„daß ich unter ein kleines Tuch zu kriechen pflegte, und daß es dort warm war.“
„Zuweilen regnet es, und wir kriechen unter ein auf⸗ geſtülptes Boot oder dergleichen; zuweilen iſt es finſter, und wir ſitzen unter den Gaslaternen und ſchauen die Leute an, die auf der Straße vorbeikommen. Endlich kommt der Vater und nimmt uns mit ſich nach Hauſe. Und das Haus erſcheint nach den Straßen ein ſolches Obdach! Und der Vater zieht mir die Schuhe aus und trocknet meine Füße und läßt mich, lange nachdem Du zu Bette gebracht, neben ſich ſitzen, während er ſeine Pfeife raucht, und ich bemerke, daß die Hand des Vaters groß iſt, doch niemals ſchwer, wenn ſie mich berührt, und daß ſeine Stimme barſch, doch niemals zornig iſt, wenn er zu mir ſpricht. Und ſo wachſe ich heran, und nach und nach fängt der Vater an, mir zu vertrauen und eine kleine Gefährtin aus mir zu machen, und wie aufgebracht er immer ſein mag, er ſchlägt mich niemals.“
Der zuhörende Knabe ſtieß hier eine Art Grunzen aus, wie wenn er ſagen wollte:„aber mich ſchlägt er!“
„Dies ſind einige von den Bildern aus der Vergangen⸗ heit, Charley.“
„Dann mach' weiter,“ ſagte der Knabe,„und zeig;
uns eins in der Zukunft.“.
„Nun! Da bin ich, noch immer beim Vater und halte am Vater feſt, weil der Vater mich lieb hat und ich ihn lieb habe. Ich kann nicht einmal leſen, denn falls ich es gelernt hätte, ſo würde der Vater geglaubt haben, ich verließe ihn, und ich würde meine Macht über ihn verloren haben. Ich habe nicht ſo viel Einfluß, wie ich zu haben wünſche, ich vermag gewiſſen ſchrecklichen Dingen nicht Einhalt zu thun, aber ich fahre fort, zu hoffen, und denke zuverſichtlich daß die Zeit kommen wird. Inzwiſchen weiß ich, daß ich in einigen Sachen ein Haltepunkt für den Vater bin, und daß er, falls ich ihm
nicht treu wäre— gewiſſermaßen aus Rache oder aus Kummer oder aus beidem— wild und ſchlecht werden würde.“
„Gieb uns eins von den Zukunftsbildern von mir.“
„„Ich wollte eben dazu übergehen, Charley,“ ſagte das Mädchen, das, ſeit ſie begonnen, nicht ein einziges Mal ihre Stellung verändert,— und ſchüttelte kummervoll das Haupt;„die anderen Bilder ſollten alle zu dieſen hin⸗ Dort biſt Du—“
„Wo bin ich, Liz?“
„Noch immer unten bei der Gluth.“
„Es ſcheint, als ob's dort unten bei der Gluth den Teufel und ſeine Großmutter gäbe,“ ſagte der Knabe,
——
ſchier
gtoß gele hein dic
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