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auf⸗
ann und enn Luch wort eite: auf den feſt. fer⸗ an! m⸗ iſt mnuß er⸗ ger. leid,
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„Das könntet Ihr nicht gethan haben.“
„Ich könnt's nicht, Gaffer?
„Nein. Kann ein Todter etwa von Geld Gebrauch machen? Iſt ein Todter Geld zu befitzen im Stande? Welcher Welt gehört ein Todter an? Jener Welt.
Welcher Welt gehört das Geld an? Dieſer Welt. Wie kann es daher einem Leichnam angehören? Kann ein Leichnam das Geld bedürfen, kann er es ausgeben, es
fordern, es vermiſſen? Bemüht Euch doch nicht in dieſer Weiſe Recht und Unrecht miteinander zu verwechſeln. Aber es ſieht einem falſchen Gemüthe ähnlich, einen le⸗ bendigen Menſchen zu beſtehlen.“
„Ich will Euch was ſagen—“
„Nein, das werdet Ihr bleiben laſſen. Ich will aber Euch was ſagen. Ihr ſeid mit einer kurzen Einſperrung dafür, daß Ihr Eure Hand in die Taſche eines Matroſen, eines lebendigen Matroſen, geſteckt, davongekommen. Freut Euch und ſchätzt Euch glücklich, aber denkt nicht,
daß Ihr mir danach noch mit Eurem„Compagnon“”“
kommen könnt. Wir haben in vergangener Zeit zuſam⸗ men gearbeitet, aber in gegenwärtiger oder zukünftiger Zeit arbeiten wir nicht mehr zuſammen. Los gelaſſen! Fort mit Euch!“.
„Gaffer, wenn Ihr mich auf dieſe Weiſe los zu werden hofft—“
„Wenn ich Euch nicht auf dieſe Weiſe los werde,
will ich eine andere verſuchen, und Euch entweder mit dieſem Fußſtocke eins über die Knöchel reichen, oder mit jenem Boothaken eins auf den Kopf verſetzen. Los ge⸗
laſſen! Ruder' zu, Lizzie. Ruder' nach Hauſ', da Du
Deinen Vater nicht rudern laſſen willſt.“
Lizzie brachte das Boot durch einen kräftigen Ruder⸗ ſchlag vorwärts und das andere Boot blieb zurück. Lizzie's Vater zündete, nachdem er ſich beruhigt und die ſichere Haltung eines Mannes angenommen, der den höheren Sittlichkeitsſtandpunkt behauptet und eine un⸗ angreifbare Stellung eingenommen, eine Pfeife an, rauchte, und betrachtete, was er im Schlepptau führte. Das, was er im Schlepptau führte, ſtürzte ſich ihm zu⸗ weilen, wenn das Boot auf ein Hinderniß ſtieß, in fürchterlicher Weiſe entgegen, und ſchien ſich dann wieder mit Gewalt von ihm losreißen zu wollen,— doch meiſtens folgte es mit vollkommenſter Unterwürfigkeit. Ein Neu⸗ ling würde vielleicht in dem Wellenkräuſeln über dem⸗ ſelben eine grauſige Aehnlichkeit mit dem unklaren Aus⸗
druckswechſel auf einem lebloſen Geſicht geſehen haben,
aber Gaffer war kein Neuling und hatte keine derartigen Phantaſien.
Zweites Capitel. Der Mann von Irgendwoher.
Mr. und Mrs. Veneering*) waren funkelnagelneue
Leute und bewohnten ein funkelnagelneues Haus in einem
funkelnagelneuen Stadtviertel von London. Alles, was
die Veneerings umgab, war funkelblitznagelneu. All'
ihr Hausgeräth war neu, alle ihre Freunde waren neu, alle ihre Diener waren neu, ihr Silbergeſchirr war neu,
ihre Equipage war neu, ihr Kutſchgeſchirr war neu, ihre Pferde waren neu, ihre Gemälde waren neu, ſie
*) Der Name Veneering iſt von dem Zeitworte to ve⸗ neer— fourniren— hergeleitet. A Anmerkung der Ueberſetzerin.
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V ſelbſt waren neu, ſie waren ſo kurze Zeit verheirathet, wie ſich dies geſetzlich mit einem funkelnagelneuen Säug⸗ ling vereinbaren ließ, und falls ſie ſich einen Großvater angeſchafft, ſo würde derſelbe ohne eine einzige Schramme, vom Kopf bis zu den Füßen polirt, in Strohdecken ge⸗ hüllt, aus dem Pantechnikon!) angelangt ſein.
Denn in dem Haushalte der Veneerings war, von den Flurſtühlen mit dem neuen Wappen bis zu dem Concertflügel mit der neuen Mechanik und wieder bis zu der neuen Feuer⸗Rettungsmaſchine, Alles in einem Zuſtande der höchſten Politur. Und das, was an dem Hausgeräth bemerkbar war, machte ſich auch bei den Veneerings wahrnehmbar— die Oberfläche duftete noch ein wenig zu ſehr nach der Werkſtatt und war ein wenig klebrig.
Es war ein harmloſes Stück Meuble vorhanden, das auf leichten Rollen ging und, wenn nicht im Gebrauch, oberhalb eines Miethkutſchenſtalles in der Duke⸗Straße, St. James', aufbewahrt wurde und für welches die Veneerings eine Quelle der ärgſten Verwirrung waren. Der Name dieſes Meubles war Twemlow.“*) Als naher Anverwandter von Lord Snigsworth war ſeine Geſellſchaft außerordentlich geſucht, und in manchen Häuſern reprä⸗ ſentirte er, ſo zu ſagen, die Speiſetafel in ihrem Normal⸗ zuſtande. Mr. und Mrs. Veneering zum Beiſpiel machten bei ihren Einladungsplänen für Feſtdiners ſtets mit ihm den Anfang und ſchoben dann Tiſchplatten zu ihm hinein, oder mit anderen Worten, fügten Gäſte zu ihm hinzu. Zuweilen beſtand die Tafel aus Twemlow und einem Dutzend Platten, und zuweilen aus Twemlow bis zu ſeiner äußerſten Länge von zwanzig Platten ausgezogen. Mr. und Mrs. Veneering ſaßen einander bei Staats⸗ gelegenheiten in der Mitte des Tiſches gegenüber, und ſoinit blieb die Parallele dieſelbe, denn es ereignete ſich ſtets, daß Twemlow ſich, je weiter er ausgezogen wurde, um ſo ferner vom Mittelpunkte und um ſo näher am Tranchirtiſche am einen Ende des Zimmers oder bei den Fenſtervorhängen am andern befand.
Doch dies war es nicht, was Twemlow's ſchwache Seele in Verwirrung ſenkte. Hieran war er durchaus gewöhnt und dies war ihm ergründlich. Der Abgrund, deſſen Tiefe ihm unergründlich und aus dem ſich die über⸗
erhob, war die unlösbare Frage, ob er Veneering's älteſter oder Veneering's neueſter Freund ſei. Der Löſung dieſes Problems hatte der harmloſe Herr, ſowohl in ſeiner Wohnung über dem Miethkutſchenſtalle, als in der kalten Düſterkeit von St. James Square, die dem Nachdenken ſo günſtig iſt, manche ſorgenvolle Stunde gewidmet. Die Sache war folgende. Twemlow hatte Veneering zuerſt in ſeinem Club kennen gelernt, wo Veneering damals Niemanden kannte, außer dem Manne, der ſie mit einander bekannt machte, welcher ſein intimſter Freund in der ganzen Welt zu ſein ſchien, und den er ſeit zwei Tagen gekannt — das Band, welches ihre Seelen an einander knüpfte, war zufälligerweiſe an jenem Tage durch das ſchändliche Verfahren des Comité in Bezug auf die Zubereitung einer Kalbskeule befeſtigt worden. Unmittelbar darauf
— *) Das Pantechnikon iſt ein Inſtitut in London, in dem Diejenigen, welche London auf eine Weile verlaſſen und den eigenen Haushalt aufgeben, Hausgeräth und Gegenſtände von Werth aufbewahren laſſen.
Anmerkung der Ueberſetzerin.
**) Die Ueberſetzerin bittet den nacßſieytigen Leſer, ſie nicht für die eigenthümliche Ausdrucksweiſe des Verfaſſers verant⸗ wortlich zu halten. Mr. Dickens ſchreibt nicht immer Eng⸗ liſch, ſondern vielmehr Dickenſiſch, und für dieſe Sprache giebt V es leider(2) noch kein entſprechendes Deutſch.
3.
wältigende und ewig wachſende Schwierigkeit ſeines Lebens
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