bild eines vollkommen ſchönen, indianiſchen Mannes. Seine ſchlanken und doch kräftigen Glieder waren rund und trefflich geformt; ſein Auge glänzte in reinem Glanze und ſchoß Adlerblicke, deſſen Feuer ſelbſt auch einen Muthigen einſchüchtern konnte. Jetzt aber verrieth ſein Blick, obwohl er von Zeit zu Zeit forſchend umherſchweifte, offenbar eine weiche Empfindung und eine ſeltſame, ungewöhnliche Bewegung der Seele.. Nach beendigter Berathung der drei erſten Häuptlinge trat der Krieger mit dem Turban zu den Gefangenen. Als Whittal
das furchtbare Oberhaupt ſich nähern ſah, entfernte er ſich von den Anſiedlern und ſtellte ſich dem jungen Krieger zur Seite, als ob
er gewöhnt ſei, bei dieſem Schutz und Hilfe zu finden. Der junge Häuptling ſchaute ihn an, und eine ſchnell vorübergehende Ver⸗ aͤnderung in ſeinen Geſichtszügen deutete an, daß ihm ein lichter Gedanke gekommen ſei. Er führte den Blödſinnigen abſeits an das äußerſte Ende der Vorhalle, ſprach eine kurze Weile leiſe und
ernſt mit ihm, deutete einige Male auf den Wald, und ſah ihm
ſinnend nach, als Whittal mit hurtigen Schritten über die Felder hinweg auf das Dickicht zu eilte. Erſt als ſein Bote ein gutes Theil Weges zurückgelegt hatte, kehrte er zu ſeinen Gefährten zurück, und ſtellte ſich ſo dicht neben dem Häuptlinge mit dem Turban auf, daß er mit dem Ellenbogen die dichten Falten ſeines purpurrothen Ge⸗ wandes berührte. Kein Wort wurde bei dieſem Vorgange geſprochen; nur einen zaudernden Blick warf der ältere Häuptling auf ſeinen jüngeren Genoſſen, nahm dann aber ſogleich wieder ſeine vorige gelaſſene Miene an, und wandte ſich an den alten Heatheote, in⸗ dem er in engliſcher Sprache ſagte:
„Mann ſo vieler Winter, warum hat der große Geiſt dein Geſchlecht hungrigen Wölfen gleich gemacht? Warum haben die Blaßgeſichter den Magen eines Geiers, den Schlund eines Hundes, und das Herz eines Rothhirſches? Viele Male haſt du den Schnee ſchmelzen und zerrinnen ſehen, und mußt dich der Zeit erinnern, wo der Baum nur noch ein Sprößling war. Sage mir, woher kommt es denn, daß die Thengihs ſo unerſättlich find? Warum ſie nach Allem die Hand ausſtrecken, was zwiſchen der aufſteigenden und untergehenden Sonne liegt? Rede! Gerne mögten wir wiſſen, warum an ihrem kleinen Körper ſo lange Arme ſitzen?“
Natürlich waren durch die blutigen und ſchreckensvollen Auf⸗
tritte des Tages alle Kräfte und Leidenſchaften des alten Puritaners aufgeregt worden; aber gleichwohl war ſeine durch unausgeſetzte
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