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Narramatta und Conanchet : eine Erzählung für die reifere Jugend / nach dem Engl. des J. F. Cooper von Franz Hoffmann
Entstehung
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Während ihr Athem flog und ihr Herz erbebte, bemühte ſie ſich, ihre Gedanken zu ſammeln, um einen Weg ausfindig zu machen, welcher ſowohl zur Sicherung ihrer Kinder, wie zur Ret⸗ tung ihres Gatten würde dienen können. Faſt war ſie entſchloſſen, das gewöhnliche Lärmzeichen zu geben, und dadurch alle Bewohner der Anſiedelung zur Hilfe anzurufen, als ſie wieder bedachte, daß eine ſolche Maßregel ihrem Gatten höchſt verderblich ſein könne. So ſchwankte ſie denn von Neuem, und ihre Unruhe endete nicht eher, als bis ſie Content wieder aus dem Walde hervorkommen ſah. Er näherte ſich ihr unglücklicher Weiſe gerade auf dem Wege, wo ſie den Gegenſtand ihres Schreckens auf der Lauer liegend wußte, und in dieſem Augenblicke dachte ſie an nichts, als daran, wie ſie ihrem Gatten Nachricht von der drohenden Gefahr geben könne, ohne daß ihre Warnung von einem anderen Ohre, als dem Contents, verſtanden würde.

Die Nacht war ſtill und die Luft ruhig. Wenn Ruth ihre Stimme anſtrengte, ſo war es nicht unmöglich, daß ſie bis zu ihrem Gemahle hinüberdrang. Und ſie wagte den Verſuch, um ihrem gepreßten Herzen auf ſolche Weiſe Luft zu verſchaffen.

Mann, Mann! rief ſie anfänglich in klagenden Tönen, die aber bald zur höchſten Stärke, deren ihre Stimme fähig war, an⸗ ſchwellten.Mann, reite raſch! Unſere Tochter, die kleine Ruth, liegt in den letzten Zügen! So lieb dir ihr Leben iſt, reite ſo ſchnell, wie dein Pferd zu laufen vermag! Hierher, Content! Nicht auf den Stall zu! Hierher nach der Pforte, die ich dir öffnen werde!«

Die Aufforderung ſeiner Gattin, wenn Content ſie gehört haͤtte, würde ihn gewiß zur höchſten Eile angetrieben haben. Aber das Rufen blieb fruchtlos und verhallte in der Luft, ohne bis zu Con⸗ tent hinüberzudringen. Dennoch flog Content raſch herbei, und befand ſich jetzt auf der Hügelſpitze, von welcher er auf dem ge⸗ radeſten Pfade den zunächſtliegenden Gebäuden zutrabte. Ruth ſah es, und die Angſt überwältigte ſie ſo ſehr, daß ſie die Pforte aufriß, in's Freie trat, und nochmals mit lauter Stimme ihrem Gatten zurief.

Dießmal verhallte ihre Stimme nicht ungehört; Content wen⸗ dete ſich um, und galoppirte raſch auf die Pforte zu.

Tritt herein!« ſagte ſie mit bebender Stimme, indem ſie zu⸗

1 weh ben in Zügel des Pferdes ergriff und es durch die Pforte hinter

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