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Narramatta und Conanchet : eine Erzählung für die reifere Jugend / nach dem Engl. des J. F. Cooper von Franz Hoffmann
Entstehung
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Content machte ſich ſanft von ſeiner Frau los und wies die Diener zurück, welche das Geſpräch durch die offene Thür gehört hatten und bereitwillig ſchienen, ihn zu begleiten.

Bleibt, ſagte er,ich gehe allein. Und du, geliebtes Weib, ſei ohne Furcht. Der Mond ſcheint hell, und ich werde bald zu⸗ ruͤckkehren.«

Run wohlan, ſo will ich dir folgen, und draußen bei der Pforte deiner harren, bis du wiedergekommen biſt,« erwiederte die Frau entſchloſſen.Mir iſt Angſt, und ich werde keine Ruhe ha⸗ ben, wenn ich dich nicht wenigſtens mit meinen Augen begleiten kann.

Lächelnd wollte Content ſeine Gattin zurückhalten; dieſe aber beſtand auf ihrem Willen, und gleich darauf verließen Beide die Wohnung.

Der Vollmond ſtand am Himmel, und leuchtete, obwohl ein

wenig umwölkt, doch mit hellem Lichte, als ſie den Thorweg durch⸗

ſchritten und zu der Palliſadenpforte hinabgingen. Die Riegel wur⸗ den weggeſchoben, und nachdem Content noch einmal, aber vergeb⸗ lich, ſeine Gattin gebeten hatte, in das Haus zurückzukehren, ſchwang er ſich auf das ſchnellſte Pferd, und jagte in geſtrecktem Laufe dem Theile des Waldes zu, welchen ſein Sohn Marcus ihm bezeichnet hatte.

Ruth blickte ihm ein Weilchen nach; dann aber zog ſie ſich wieder hinter die Palliſaden zurück, ſchloß die Pforte, legte einen Riegel vor, und erwartete nun mit Ungeduld die Wiederkehr ihres Gatten, während ſie von Neuem nach ſeiner jetzt ſchon ziemlich weit entfernten Geſtalt ausſchaute.

Die Beſorgniß der bebenden Frau war nicht ohne Grund; denn damals gab es keinen noch ſo kühnen Jäger, welcher ſich bei Nacht dem Walde genähert hätte, ohne ein lebhaftes und ſtarkes Gefühl zu empfinden, daß er unvermeidlichen Gefahren entgegen⸗ gehe. Und eben um dieſe Stunde waren die Bewohner des Wal⸗ des, die reißenden Beſtien, am meiſten in Thätigkeit und Bewe⸗ gung; und oft genug traf es ſich, daß ein ganz leiſes Geräuſch, das Kniſtern eines dürren Blattes, das Brechen eines trockenen Zweiges, einen gierigen, rothäugigen Panther, oder wohl gar einen noch ſchlimmeren Feind, einen lauernden Indianer, herbeirief. Freilich geſchah dieß nicht immer, aber dennoch oft genug, um die Beſorgniſſe zu rechtfertigen, welche im Herzen von Contents Gattin ſehr lebhaft wach waren.

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