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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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Komm, liebes Kaͤthchen, du biſt noch die beſte von allen; ſagte ſie zaͤrtlich.Die Maͤnner wiſſen nicht, was es heißt, reich ſein; aber du, gutes Kind, wuͤrdeſt dich bald daran gewoͤhnt haben! Es wird ſchon noch kommen; ſei unbeſorgt; iſt ja meine Tante jetzt doch ſchon achtzig Jahre alt.

Pauw hatte ſich inzwiſchen unbemerkt aus der Stube geſchlichen.

Ploͤtzlich aber uͤberfiel die Frau Smet ein heftiges Zittern, als waͤre ihr ein ſchrecklicher Gedanke in den Sinn gekommen. Sie fuhr vom Stuhle auf, ſtreckte die Haͤnde nach ihrem Manne aus und rief:

Himmel, Smet, es ſind noch fuͤnf und ſiebzig Gulden beim Goldſchmied zu bezahlen! Wie werden wir damit je ins Reine kom⸗ men? Arm ſein iſt ſo arg nicht, aber dabei noch in Schulden ſtecken!

Schmerzlichen Tones fuͤgte ſie hinzu:

Ein Mittel wuͤßte ich; freilich iſt es hart, aber beſſer das Bittre ertragen, als verſchuldet ſein. Ich will meine Juwelen dem Goldſchmied zuruͤcktragen!

Der Schornſteinfeger nahm ſeine Frau bei der Hand und ant⸗ wortete wohlgemuth:

Nein, nein, liebe Treſe, du brauchſt nichts zuruͤckzutragen, kannſt Alles behalten.

Aber wer wird bezahlen?

Ich, ich, Treſe.

Du?

Ja; ich hatte mir fuͤr vorkommende Fälle, und zunaͤchſt fuͤr die Hochzeit unſeres Sohnes, ein kleines Haͤufchen bei Seite gelegt. 4

Sofort ſchob er einen Stuhl unter das Kamin, ſtieg darauf und langte ein Stuͤck Tuch hervor, in welches eine Anzahl Geldſtuͤcke ein⸗