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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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druß gegeben, als waͤhrend meines ganzen Lebens. Ihr und Vater wart ſonſt immer freundlich zuſammen und es lebte ſich hier ſo be⸗ haglich und gemuͤthlich, wie es in des Koͤnigs Palaſt nicht haͤtte beſſer ſein koͤnnen. Von dem Tage an aber, daß der Schatz gefun⸗ den ward, habe ich euch beide nur verſtimmt und voll Bitterkeit ge⸗ ſehen; der Vater magerte, Kaͤthchen zehrte ſich ab und ich ſelber verlor den Verſtand. Ueberall nichts als Kummer und Schmerz! Allerdings, Pauw, aber daran war Niemand ſchuld als dein Vater, anwortete die Mutter.Er konnte das Geld nicht ver⸗ tragen; aber ich, die ich aus guter Familie bin, war zum Reichſein geboren. Nun, wie dem auch ſei, erwiederte Pauw ſchmeichelnd, ihr ſeid doch immer meine Mutter und habt außer mir kein Kind. Wenn ihr denn bedenket, daß Vater und ich mit dem Gelde uns nur ungluͤcklich fuͤhlten, wie ſolltet ihr, die Gutherzigkeit ſelber, euch in dieſes Ungluͤck nicht zu ſchicken wiſſen; ſolltet ihr nicht vielmehr ſagen: in Gottes Namen, was liegt am Gelde, wenn der Menſch doch nicht zufrieden dabei iſt. Arm ſein, arm ſein! ſchluchzte zur Antwort Frau Smet. Sei doch vernuͤnftig, Treſe, ſprach nun wieder der Schornſteinfeger,giebt es etwas uͤber die Freundſchaft? Wir haben ſolange friedlich zuſammen Haus gehalten; warum ſollten wir es ferner nicht thun? ſei gewiß, du wirſt es am Ende dem lieben Gott noch danken, daß er uns von dem leidigen Gelde erloͤſt hat... Schweig du, gab ſie ihm zur Antwort;ich glaube gar, du haſt unſern Herrgott ſelber darum gebeten! Aber, Mutter, fing Pauw wieder an,denkt doch nach, wie es fruͤher bei uns war. Vater und ich, wir waren ſtets froͤh⸗ licher Laune und hatten immer ein heiteres Woͤrtchen auf der Zunge,

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