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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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Kaͤthchen indeſſen ſuchte die Frau Smet durch die innigſte Theil⸗ nahme einigermaßen zu troͤſten.

Jan, ſprach der Schuhmacher ſeinerſeits,es iſt zwar ein harter Unfall, Freund, aber doch noch nicht zum Verzweifeln. Gott giebt, Gott nimmt. Seid aber immerhin meines aufrichtigen Mitleids verſichert!

Mitleid? erwiederte Baes Smet ganz leiſe, daß ihn ſeine Frau nicht hoͤren konnte,das brauche ich nicht. Wenn ihr glaubt, Freund, daß ich um dieſes Lumpengeldes willen eine einzige Thraͤne vergießen werde, da ſeid ihr ganz auf dem Holzweg. Es thut mir leid fuͤr meine Frau; ſonſt wuͤrde ich ſagen: Gott ſei gelobt, daß dieſe Peſt aus meinem Hauſe fort iſt!

Ach, ach, klagte noch immer untroͤſtlich Frau Smet, mein Geld, mein armes Geld! Das Erbtheil meines ſeligen Vaters... Eſſig, Eſſig, es wird mir elend, ich vergehe!

Der Schornſteinfeger lief nach der Eſſigflaſche, goß etwas auf ſeine Hand und rieb damit tuͤchtig ſeiner Frau das Geſicht; dieſe jedoch ſtieß ihn zornig zuruͤck, als wollte ſie nichts von ſeiner Pflege wiſſen.

Laß mich in Ruhe, ſchnaubte ſte ihn an.Du biſt doch im Herzen froh uͤber die Geſchichte, trotz deines ſcheinheiligen Geſichts!

Nun, nun, Treſe, ſprach er,wer wird ſich aber auch gar ſo daruͤber abgraͤmen. Das Geld iſt weg, das iſt wahr; aber ſind wir damit nicht auch die beſtaͤndigen Haͤndel und Zwiſtigkeiten, den Verdruß und die Sorgen los? Faſſe Muth, Frau; laß mich wieder fleißig ans Arbeiten gehen und wir wollen wieder Friede im Hauſe haben und in Freundſchaft und Freude genußreiche Tage verleben, wie zur Zeit, da der Geldteufel noch nicht unſere haͤusliche Ruhe ge⸗ ſtoͤrt hatte.