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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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gen Straßen verbannt, uͤberall Haͤuſer gebaut, deren Miethe ſte nicht zu erſchwingen vermoͤgen; in dumpfen Gaſſen, wo we⸗ der Buͤrger noch Vornehmer zu wohnen Luſt hat, verbringen ſie mit ihren Eltern ihr dornenvolles Leben. Welke Blumen in dunkle Keller verpflanzt, ermangeln ſie natuͤrlicher Weiſe des friſchen farbigen Blutes und die Abzehrung iſt der Wurm, der die Lebenswurzel ſo mancher unter ihnen zernagt... Dennoch ſind ſie froͤhlich und ſingen manch luſtiges Lied waͤhrend der muͤh⸗ ſamen Arbeit.

Von den vier Maͤdchen, die dicht neben einander vor des Schuh⸗ machers Haus ſaßen, waren zwei nicht gerade durch Mangel an Licht und Luft und geſunder Nahrung in ihren Lebenskraͤften geſchwaͤcht. Ihre Eltern waren etwas beſſer daran und wohn⸗ ten wohl noch nicht ſeit langer Zeit, wie ihre Nachbarn, in den Körper und Geiſt verkruͤppelnden Neſtern jener engen Gaſſe.

Die eine hieß Kaͤthe und war die Tochter des Schuhma⸗ chers; die andere, Annamarie, wohnte in einem Gemuͤſeladen. Auf beider Wangen prangte die friſche roſige Farbe der Ju⸗ gend und ihre Lippen erglaͤnzten noch vom bluͤhenden Roth der Korallen. Kaͤthchen hatte blaue Augen und blondes Haar; An⸗ namarie dagegen mit ihrer hellbraunen Geſichtsfarbe, ihrem ra⸗ benſchwarzen Haar und ihren funkelnden Augen, ließ ſpaniſche Abkunft vermuthen.

Als ſie ſo eine Weile mit ihren zwei anderen Freundinnen fortgearbeitet hatten, ſahen ſte, von einer andern Straße ein⸗ lenkend eine ſchon ziemlich bejahrte Frau herannahen. Sie be⸗ ſchauten ſte mit Aufmerkſamkeit, bis ſie in das Haus des Schorn⸗ ſteinfegers eingetreten war.

Die Baſin Smet, bemerkte eines der Maͤdchen,laͤßt ſich