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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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und vergeſſen muͤſſen, daß noch eine Sonne am Himmel ſteht; die Tage zaͤhlen, bis endlich der liebe Mai wieder er⸗ ſcheint und wieder Licht und Waͤrme bringt fuͤr die Armen ſo⸗ wohl als fuͤr die Reichen.

Aber was kuͤmmern wir uns noch laͤnger um den alten abgeſchiedenen Murrkopf... Singen wir lieber dem Fruͤhling ein Liedchen:es komme wem der Mai gefaͤllt, und freue ſich der ſchoͤnen Welt und Gottes Vaterguͤte!...Halten wir uns zu viert hier mit unſeren Rahmen recht dicht beiſammen, da⸗ mit kein Spielverderber ſich unter uns miſche.

Die jungen Maͤdchen, die ſich ſo plaudernd und ſingend der lieblichen Maiſonne freuten, ſaßen wie viele andere, in einer ſchmalen, langen Gaſſe der Stadt Antwerpen.

Niedrig und klein ſtanden zu beiden Seiten die Haͤuſer die⸗ ſer Straße; jedes mit einem rundgebogenen Pfoͤrtchen verſehen und dem duͤrftigen, durch die gruͤnen Scheiben der engen Fen ſeroch verduͤſterten Tageslicht einen ſpaͤrlichen Einlaß ge⸗ waͤhrend.

Eines darunter machte ſich jedoch durch ſeine groͤßere Hoͤhe und neumodiſchen Fenſterſtoͤcke bemerkbar; es war der Kramla⸗ den eines Spezereihaͤndlers. Wenn die Beſitzer deſſelben auch nur geringe Leute zu ihren Kunden zaͤhlten, ſo hatten ſie es doch innerhalb weniger Jahre weit genug gebracht, um ſich im Vergleich mit ihren aͤrmlichen Nachbarn fuͤr reich halten zu duͤrfen.

Dem Spezereiladen quer gegenuͤber ſtand ein altes Haͤuschen, das gleichfalls einen Stock trug aber ziemlich ſchwarz und ſchmutzig ausſah. Ueber der Hausthuͤre hing ein Schild, auf dem ganz einfach die zwei Buchſtaben A. B. gemalt waren, wodurch fuͤr