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Das Glück reich zu sein / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von August Scheler
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J.

Nun, Kaͤthchen, was ſagſt du zu dem goͤttlichen Wetter, zu dem herrlichen Mai! Weht nicht die Luft ſo ſanft und ſuͤß wie Butter und Milch?

Wie mir dabei zu Muthe iſt? ſieh, Annamarie, tanzen moͤchte ich vor Vergnuͤgen daruͤber. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber es durchzuckt mich dieſer erſte Sonnenſtrahl mit koͤſtlichem Behagen, und dringt mir gar wonnig durch Mark und Bein!

Auch ſtroͤmt Alles aus den dumpfen Haͤuſern heraus, um ſich daran zu erquicken. Iſt es doch endlich wieder einmal ver⸗ goͤnnt, auf der Straße zu ſitzen, zu ſingen und ſich Geſchichten zu erzaͤhlen und Luft zu ſchoͤpfen unter der Arbeit.

Es will aber auch was heißen, Trinchen, ſo vier lange Monate in ſeinen vier Mauern gekauert bleiben, wie ein armer Vogel in ſeinem Kaͤfig?

Und nicht einmal frei athmen duͤrfen in der feuchten Luft eines Kaͤmmerleins.

Und ſeine Augen verderben beim ewigen Geflinker des duͤſteren Winterlichts.

Und ſich durch Schnupfen und Huſten faſt die Schwind⸗ ſucht holen, daß man beſorgt ſein muß, vom tuͤckiſchen Maͤrz nach

der andern Welt geſchafft zu werden. Das Glück reich zu ſein.