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Die Dorf-Plage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. August Scheler
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u⸗ mit gewagten Unternehmungen wieder aufhelfen. Er legte ei⸗ b nen Getreidehandel an, aber da er immer noch zu tief ins . Glaͤschen guckte, iſt ihm der Handel auch nicht ſonderlich ge 3 lungen und in kurzer Zeit ſah er ſich um ſeinen letzten Stuͤ⸗ ber gebracht. Nach ſechs Jahren ſtarb ſeine Frau und von da ab iſt er vollens ins Elend gerathen; Knecht und Magd liefen davon; die Felder blieben brach liegen oder wurden an arme Leute vermiethet, die Kartoffeln darauf pflanzten; eine Kuh nach der andern wurde verkauft, ſo daß er am Ende nur noch eine einzige uͤbrig behielt. Auch ſein letztes Pferd ging darauf. Denke dir, Lukas, eine einzige Kuh fuͤr einen ſo ſtattlichen Hof! Der Gedanke thut mir faſt ſo weh, als wenn ich von mir ſelber redete. Wir, die wir auf magerem Sand⸗ boden vom Morgen bis zum Abend uns abmuͤhen, um einige kuͤmmerliche Fruͤchte zu erringen, muͤſſen auf den fetten Fel⸗ dern des Nachbars das Unkraut wuchern ſehen! Es iſt dies och eine Schande, behaupte ich, eine Schande vor Gott und der bte Menſchheit.... So begreift ſich's, daß, wie geſagt, Jan Staers im vergangenen Jahre ſeinen Zins nicht hat entrichten koͤnnen; unſer Grundherr, der ihn lange geſchont hat um ſei⸗ nen nes ſeligen Vaters willen, hat endlich die Geduld verloren und ar⸗ iſt auf dem Punkte, kurzen Prozeß mit ihm zu machen. Mor⸗ ber gen ſollen die Gerichtsdiener Alles auf dem Hof in Beſchlag nehmen und den Schlemmer auf die Straße ſetzen... So ien geht es den Saͤufern, mein Sohn; den Anfang macht ein Troͤpfchen Branntwein; aber das Ende iſt der Bettelſack, das um Verbrechen oder noch etwas Aergeres! es Der Juͤngling hatte auf dieſe Erzaͤhlung mit einer unwill⸗

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