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Die Dorf-Plage / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von Dr. August Scheler
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der uͤber ſeinen Zuͤgen lag, zeugte noch von Gemuͤthsſtaͤrke und Willensfeſtigkeit.

Ein grober Filzhut aus dem vorigen Jahrhundert verbarg theilweiſe ſein Silberhaar und ein nicht minder altmodiſcher Ue⸗ berrock hing ihm faſt bis an die Ferſen herab.

In demſelben Anzug hatte der gute Mann einſt vor dem Altare gekniet, als er ſeiner Bethe die ewige Treue gelobte. Sorgſam hatte er ihn geſchont, denn derſelbe hatte ihn ein gut Theil Silberſtuͤcke gekoſtet.... Sechsundzwanzig Jahre waren ſeit jenem Hochzeitmorgen verſtrichen und noch holte er ihn nur dann aus dem Schrein, wenn er zur Kirche ging oder in Ge⸗ ſchaͤften ſich nach der Stadt begeben mußte.

Sein Begleiter war ein junger Geſell, dem Geſundheit und Kraft aus dem friſchen Geſichte ſtrahlten. Eine huͤbſche Tuch⸗ muͤtze hing ihm uͤber dem linken Ohr und uͤppig wallten die braunen Locken uͤber die Schultern herab. Die Zipfel einer bun⸗ ten Halsbinde bedeckten zierlich den Bruſtſchlitz ſeines feinen blauen Kittels. Es leuchteten ihm die Augen von ſtiller Lebensluſt, ein ſuͤßes Laͤcheln umſchwebte den Mund und die fluͤchtigen Blicke, die er zuweilen um ſich warf, verriethen die Einfalt ſeines Her⸗ zens und das volle Vertrauen, womit er die Zukunft erwartete.

Auf der rechten Schulter trug er an einem Stock einen be⸗ ladenen Korb; die Hand, womit er den Stock hielt, war maͤch⸗ tig und breit, und die ſchwieligen Finger bezeugten, daß der junge Bauer, der eben erſt zum Manne herangereift war, ſchon manche ſchwere Arbeit beſtanden habe.

Seit einiger Zeit ſchritt der alte Mann mit geſenkterem'

Haupte, als er zu thun pflegte, dahin. Offenbar hatten ernſt 4 1*