Teil eines Werkes 
19.-21. Bd. (1851)
Entstehung
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Waͤhrend Philipps Gedanken ſich ſo in einem voll⸗ kommenen Chaos bewegen, waͤhrend ſein muͤdes Haupt auf die beſchwerte Bruſt niederſinkt und ſeine ſchlaffen Nerven, alle Spannkraft verlierend, zuſammenſinken, waͤhrend dies vor ſich geht, wollen wir andere naͤchtliche Gedanken belauſchen und ſehen, wie ein anderes Haupt nicht ſinkt, ſondern ſich leiſe von dem Kopfkiſſen em⸗ porrichtet, deſſen unertraͤgliche Hitze ſich gleichſam mit der Hitze verſchmolzen hat, welche hinter dieſer alabaſter⸗ weißen Stirne gluͤht.

Der Kammerrath hatte ſchon eine ganze Stunde gut geſchlafen, aber ſeine Gemahlin fuͤhlte nicht die mindeſte Schwere in ihren Augenlidern. Sie hatte ſich jedoch vollkommen ſtill verhalten, um nicht durch ihre Unruhe das Einſchlummern ihres Gatten zu hindern.

Aber jetzt war ſie ſicher. Jetzt richtete ſie ſich auf.

Und ſo wie der Mond ſein Licht der aͤrmlichen Huͤtte auf dem Vorgebirge mittheilte, eben ſo gab er ſein Theil dem ſchoͤnen Zimmer, in welchem das Ehepaar ruhete. Und eben jetzt fiel ſein bleicher Schein uͤber das Antlitz der jungen Gattin und zeigte unverhuͤllt den Ausdruck, womit ſie ihren Gatten betrachtete.

Es iſt nicht moͤglich, etwas Haßerfuͤllteres, ja In⸗ fernaliſcheres zu ſehen, als die Blicke, womit Lilia das ruhige und milde Angeſicht neben ſich betrachtete.

Sie ſetzte ſich in die Hoͤhe. Und mit krampfhaft geballten Haͤnden machte ſie dann und wann eine drohende

gin Gerücht. VII, 4