„Die Poſt geht in zwei Stunden ab,“ hob Ar⸗ nold wieder an.
Ohne eine directe Antwort darauf zu geben, ver⸗ ließ Honorine das Zimmer, war aber kaum hinaus, als ſie auch ſchon wieder umkehrte und, indem ſie die eine Hand Adelen und die andere dem Docctor reichte, mit unbeſchreiblicher Zaͤrtlichkeit ſagte:
„Verzeihen Sie— ich habe noch nicht mit einem Worte Gluͤck gewuͤnſcht, aber in meinem Her⸗ zen leben tauſend heilige Wuͤnſche fuͤr Ihr Gluͤck.“
„Und ich,“ fluͤſterte Adele, indem ſie ihren Mund an Honorinens Ohr fuͤhrte,„ich verletzte Dich durch wohlgemeinte Unuͤberlegtheit. Aber eine Frau, wie ich,
iſt nicht geſchaffen, Deine Seele zu faſſen... o Ho⸗
norine!“ Honorine laͤchelte; ſie las Adelens theilnehmenden
Beifall in ihren Blicken, ſie las die innige Hochach⸗
tung des Doctors in ſeinem ganzen Weſen und indem ſie ihm in ihrem Innern fuͤr die zartfuͤhlende Defini⸗ tion dankte, die er von ungleicher Theilnahme zu geben verſtanden, eilte ſie zum zweiten Mal hinaus.
„Und das mußte ihr geſchehen!“ ſagte Adele ge⸗ dankenvoll.„Was nuͤtzt es wohl, vollkommen zu ſein, wenn man ſich nicht vor Leiden ſchuͤtzen kann?“
Ach, Philipp, Philipp,“ murmelte Arnold,„das war ein großes Ungluͤck.“
„Ja, mein Freund, ein ſehr großes Ungluͤck.
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