Teil eines Werkes 
13.-15. Bd. (1850)
Einzelbild herunterladen

206

Ruhe ihre brennenden Schmerzen noch vermehrte wie... Du koͤnnteſt eine ſolche Handlung unmenſch⸗ rlicher Nichtswuͤrdigkeit begehen?

. der Gerechtigkeit, meinſt Du? Ich kann es

nicht blos, ſondern ich thue es wirklich.

Und ehe noch Lilia einen einzigen Gedanken faſſen konnte, war der Kammerrath hinaus.

Sie höoͤrte ihn im Nebenzimmer ſich vollends fer⸗ tig machen, ſie hoͤrte ihn die Galoſchen anziehen, die Treppe hinuntergehen und jetzt ſah ſie ihn auf der Straße es war gar nicht weit bis zum Hauſe des Probſtes.

Sie ſtand am Fenſter mit leichenblaſſen Wangen und zitternden Lippen, das Blut ſchien in ihren Adern ſtocken zu wollen, ſie war beinahe leblos und dennoch blieb ihr ſtarrer Blick an dem Manne haften, der lang⸗ ſam und feſten Schrittes auf die Ecke der Straße zuging.

Jetzt blickte er auf und gruͤßte ſie mit ernſter Miene.

Sein Blick war weder befehlend, noch bittend.

Er ſagte blos: Jetzt iſt es noch Zeit!

In der naͤchſten Sekunde hatte ihre Hand zwei Finger ausgeſtreckt und dieſe zwei Finger hatten ſich geruͤhrt zu... zu einem widerſtrebenden Winke.

Der Mann verſtand dieſe Sprache er war ein erfahrener Mann und kam ſogleich zuruͤck.

be