Teil eines Werkes 
13.-15. Bd. (1850)
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10.

Aus der Verſchiedenheit der Farbe zwiſchen dieſer kleinen blonden Locken und dem Haargeflecht, welches Frau Sorenius in ihrem Ringe traͤgt und welches, wie ich mich entſinne, gehoͤrt zu haben, ein Andenken an den verlorenen Kleinen iſt.

Ja, antwortete Lilia mit vollkommen gleichmaͤ⸗ ßiger Stimme es war blos das Farbenſpiel auf ihrer Wange, was einige Gemuͤthsbewegung verriethdieſe Locke ſchnitt ich von ſeinem Haupte, als er erſt einige Wochen alt war und es iſt mir ſo angenehm, die kleinen Seidenlocken in ihrer natuͤrlichen Geſtalt zu ſehen, daß ich nicht den Muth habe, ſie in eine andere Form zu zwingen. Ich hatte dieſes ſo liebe Andenken gerade her⸗ vorgeſucht, als Sie kamen, Herr Kammerrath, und be⸗ merkte nicht, daß es herunterfiel.

Armes, zaͤrtliches Mutterherz, ſagte der Kam⸗ merrath,aber gluͤcklicher Weiſe haben Sie doch noch ein theures Haupt bei ſich.

Ja, Gott hat mir erlaubt, durch dieſen Engel auf ſeinen Schutz hoffen zu duͤrfen. Ohne ſie haͤtte ich mich ſchon viele Mal ganz verlaſſen gefuͤhlt.

Was hat ein ſolcher Gedanke jemals Platz in einem Herzen finden koͤnnen, welches ſein Schickſal auf ſo wuͤrdige, ſo exemplariſche Weiſe zu tragen ſcheint? Hat ein Gemuͤth verzagen können, welches den Kindern der Armuth und der Noth taͤglich Troſt gebracht hat 2

Ach, Herr Kammerrath, die Gemuͤthsſtaͤrke und