9
war er noch nicht volle zwei Monate verlobt, als des Fraͤuleins Herz ſich einem andern Gegenſtande, mit ſchuldenfreien Guͤtern, zuwendete.
Da begann ſie Sixtens Aufmerkſamkeiten etwas zu lau zu finden und ſagte an einem ſchoͤnen Tage zu ihm:
„Aufrichtig geſagt, in glaube, daß Du in einem Augenblick meine Hand begehrteſt, wo Du nicht recht wußteſt, was Du thateſt.“
„Auf meine Ehre, Du haſt vollkommen recht,“. antwortete er;„aber was einmal geſchehen iſt, das iſt geſchehen.“
„Nach dieſem Geſtaͤndniß,“ hob die Braut wieder an,„erlaubt mir mein Zartgefuͤhl nicht mehr, Dir laͤnger anzugehoͤren. Der Grund bleibt ein Geheimniß zwiſchen uns, aber unſer Verhaͤltniß iſt geloͤſ't.“
„Wie es Dir beliebt!“ war die ganze Antwort des Barons und innig vergnuͤgt machte er ſeinem Nachfol⸗ ger Platz.
Aber als er zu ſeiner ſtehenden Flamme, der ſo warm geliebten Honorine, zuruͤckkehrte, ſagte ihm dieſe mit ihrem freundlichſten Lacheln, daß fuͤr ihn nun Al⸗ les verloren ſe daß ſie aber ſtatt deſſen mit ihrem kuͤnf⸗ tigen Gemahl die Verabredung getroffen, daß ihr Coufin
ein ſteter Hausfreund b bleiben ſolle.
Und ein ſolcher war er geweſen, ohne daß der Frieden ein einziges Mal geſtoͤrt worden waͤre.


