nothwen⸗
das ſieht
35
„Mein beſter Doctor, lachen Sie mich nicht aus, wenn Ihnen die Wunde unbedeutend vorkommt!“
„Die Wunde?“
„Ja, der kleine Alban warf geſtern die Lampe um und einige Tropfen heißes Oel...“
Lilia redete nicht aus, ſondern warf, ohne verſtellte Schuͤchternheit— ſie beſaß zu viel„Takt“, um ſich vor einem Arzte zu zieren— den Shawl zuruͤck und ließ eine Schulter ſehen, deren Weiße, Rundung und Schoͤnheit Philipp in zwanzig verſchiedenen Gedichten beſungen hatte.
„Wie der Arm weh thut, bis auf die Fingerſpitzen herab!« fuhr ſie fort, ohne daß ſie zu bemerken ſchien, wie die Hand, welche die nicht ſo ganz unbedeutende Verletzung unterſuchte, fuͤhlbar zitterte.
„Es iſt nichts Gefaͤhrliches,“ ſagte der Doctor mit einer Stimme, welche gleichwohl auf keinerlei Weiſe ihren gewoͤhnlichen Tonfall hatte.„Wir wollen einige Umſchlaͤge machen, die den Schmerz ſehr bald lindern werden.“
Und der Doctor legte ſelbſt dieſe Umſchlaͤge auf und gab ſich(woran ſeine Patienten gar nicht gewoͤhnt waren) tauſendfaͤltige Muͤhe, das Kiſſen unter dem aus⸗
geſtreckten Arme zurecht zu legen. („Nicht ſo... nein, um Gottes willen nicht ſo,“ rief Lilia jammernd... vach, mein Gott, wie weh das thut!“
3*


