ungen
einen kalte
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„Armer Schwaͤrmer!“ Dies war Alles, was er ſagte.
Aber er wußte nicht, daß er laut gedacht hatte.
„Warum gerade armer?“ fragte eine wohlklin⸗ gende Stimme hinter ihm.
Der junge Doctor ſtand auf und zog Lilia's Lieb⸗ lingsſtuhl herbei; darauf antwortete ermit ruhigem Laͤcheln:
„Kann man wohl etwas Anderes von einem Manne ſagen, der ſo etwas ſchreibt?“
Er reichte ihr Philipps Herzensergießung hin.
Die junge Frau gluͤhete, wie eine Roſe, als ſie das Billet wieder zuruͤckgab.
Bei dem Ganzen war es eigentlich nur ein Punkt, der ſie in Verwunderung ſetzte.
Sie verſtand, daß der Doctor ihr dieſen kleinen Brief deshalb ſo dienſtfertig gezeigt, um ſelbſt ſeine Be⸗ obachtungen zu machen— was brauchte er mehr als Glauben?
„Das ſieht ja aus,“ ſagte ſie, indem ſie eine Miene des Erſtaunens und der Verwirrung annahm,„als ob ich einen Vertheidiger beduͤrfte!“
„Ach, einen ſolchen wuͤrde Frau Thurné niemals beduͤrfen und am allerwenigſten bei ihrem Manne!“
„Worauf ſpielt er denn dann an?“
„Auf eine voruͤbergehende, unruhige Grille, die ihn einmal anfocht.“
„Nun wohl, Herr Doctor, wie zeigte ſich denn dieſe
Ein Gerücht, 1, 14


