Teil eines Werkes 
1.-3. Bd. (1850)
Entstehung
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Sie beugte ſich auf das Kiſſen nieder, wo ſein Haupt geruht... ſie kuͤßte es, und vergoß Thraͤnen auf die Blumen, auf welche ſeine Thraͤnen mehr als ein⸗ mal gefallen waren.

Waͤre er nur nicht in gewiſſen Faͤllen ganz ohne alle Kraft... er weint und raſ't uͤber die Marter, welche eine Frau ihm zufuͤgt und iſt dennoch bereit, auf den Knien ihre kleinſte Gunſt entgegenzunehmen... Und dann dieſe ſchwermuͤthigen Elegien... wie aͤr⸗ gere ich mich daruͤber!

Sie warf das Kiſſen auf die andere Seite und ſtampfte mit ihren kleinen Fuͤßen darauf.

Woruͤber hat er ſich auch wohl zu beklagen?.... Wie viele andere Maͤnner ſind wohl des Gluͤckes theil⸗ haftig, nachdem ſie drei und ein halbes Jahr verheira⸗ thet ſind, noch in ihre Frau vernarrt zu ſein?... Und wuͤrde er dieſes Gluͤck wohl beſitzen, wenn ich waͤre, wie andere Frauen?... Und haͤtte er ein irdiſches Para⸗ dies hoffen und traͤumen koͤnnen, wenn ich es nicht ſo ſelten hervorgezaubert haͤtte! Er muß zuweilen lange leiden, es iſt wahr, er muß grauſam leiden durch meine Kaͤlte, meine Selbſtſucht, meine Bosheit denn ich bin boshaft aber alles dies iſt ein belebender Reiz fuͤr die Nerven, fuͤr die Seele, die außerdem unter der Laſt ihrer kurzen Gluͤckſeligkeitsperiode ermuͤdet ſein wuͤrde.

Sie zog aus ſeinem heimlichen Verſteck ein Me⸗