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Frau, wie ich, in Abweſenheit des Mannes vertraulich einen jungen Arzt empfaͤngt, der nicht einmal unter dem Vorwande eines Krankenbeſuches kommt?“
„Ach, meine gute Lilia, es wird gewiß Nieman⸗ dem einfallen, Dich deswegen zu verlaͤumden.“
„Um ſo beſſer!“
„Du weißt ja, daß es im ganzen Ort, vielleicht in der ganzen Welt kaum noch eine Frau giebt, deren Tugend ſo unantaſtbar waͤre, wie die Deine.“
„Du biſt alſo vollkommen ruhig?“
„Vollkommen!“
„Und Du vertrauſt mich, da ich jetzt Dick nicht
mehr habe, der Obhut des Doctors an?“
„Ja, mit unbegrenztem Vertrauen.“
Bei dieſen Worten flog eine zornige Roͤthe uͤber die Wange der jungen Frau. Aber ſie antwortete nicht.
„Ich habe Dich niemals mit Eiferſucht geplagt,“ hob Philipp wieder an,„mit Ausnahme eines Balles, wo Du mit Allen tanzteſt, nur nicht mit mir, und
ſelbſt da war ich nicht auf Jemanden ſpeciell eiferſuͤch⸗
tig, ſondern auf Alle und Alles, was Dich von mir ab⸗ wendig machte.“
„Und nunmehr biſt Du weder auf Alle, noch auf Jemanden ſpeciell eiferſuͤchtig?“
„Das iſt wahr, denn die Erfahrung hat mich uͤberzeugt, daß ich nichts zu hoffen habe. Und wenn
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