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Die junge Frau, welche mit dem Tiſche vor ſich auf dem Sopha ſaß, hatte ganz phantaſtiſch das Ende des Shawls uͤber den Hals geworfen, ſo daß er, zur Haͤlfte herabfallend, einer purpurnen Boa glich, welche ſich ohne Frage in der matten Beleuchtung gegen Li⸗ lia's weiße Sammetſchulter ganz charmant ausnahm.
Bei jeder Beruͤhrung ihrer kleinen Haͤnde zitterte die Purpurſchlange auf ihrem Alabaſterbett und Philipp, der ſeiner Frau gegenuͤber in einem Lehnſtuhle ſaß, ſah zu, wie der Schein der Lampe gleichſam einen Strahl in jeder Maſche bildete und natuͤrlich kamen alle Strah⸗ len der Arbeiterin zu Gute.
„Mein Freund,“ ſagte Lilia, nachdem das Schwei⸗ gen eine Weile gedauert hatte,„ich daͤchte, wir ließen noch einmal Feuer anbrennen— ich befinde mich in der Waͤrme ſo wohl.“
Philipp klingelte.
Die neue Gluth ward entzuͤndet und als der Schein derſelben hoch aufflammte, brachen ſich noch mehr leuchtende Strahlen um Lilia.
Es kam Philipp, nachdem er ſich wieder auf den Seſſel niedergelaſſen, vor, als ob ſie mitten in einem Heiligenſchein ſaͤße.
„Laß uns doch ein wenig plaudern, Philipp!“
„Recht gern.“
„Aber Du haſt heute Abend die frohe Laune ver⸗ loren, welche Du die ganze Woche gehabt haſt.“


