Teil eines Werkes 
1.-3. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſcheint mir am beſten ausgeuͤbt zu werden, wenn man in Uebereinſtimmung mit ſeinen Neigungen lebt.“

„Philipp, Du erſchreckſt mich— nach dieſer Re⸗ gel kannſt Du dir ja ſo viel Boͤſes erlauben, als Du willſt!“

„Aber was in Gottes Namen,“ antwortete Phi⸗ lipp, indem er ſeine Mutter zur Beſchwichtigung ihrer Unruhe herzlich umarmte,„was in Gottes Namen, ſind denn das fuͤr boͤſe Neigungen, die ich habe und denen ich mich hingeben will?“ 4

„Lieber Philipp!“

„Liebe Mama, laß uns doch zuſehen... ich ſchreibe zuweilen Verſe, von denen ich allerdings nicht weiß, ob ſie Jemand nur einmal anſieht... aber gleichviel, aber um deſto fleißiger ſtudire ich ſie ſelbſt. Ich trinke zuweilen ein Glas— es kann ſein zu oft— in mun⸗ terer und guter Geſellſchaft, aber deswegen bin ich im⸗ mer noch kein Schwelger. Ich gerathe in Extaſe, wenn ich eine kleine, ſchlanke Syllphidengeſtalt ſehe, denn meine Dichtergoͤttin gehoͤrt zu dieſem niedlichen Schlage und ich denke nicht an Untreue— das iſt alſo eine Tugend. Ferner leſe ich eine ganze Menge Zeug, wel⸗ ches ich moͤglicherweiſe entbehren koͤnnte und verſaͤume dagegen eine Menge Zeug zu leſen, deſſen ich zur Er⸗ werbung meines kuͤnftigen Grades beduͤrfen werde.. das iſt Alles!“ 3 „Ach, Philipp, Du biſt ſo leichtſinnigle