Teil eines Werkes 
1.-3. Bd. (1850)
Entstehung
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Gegenſatz bildete zu dem feſten und geſchmeidigen Bau ſeiner Formen und der vollen Jugendkraft der Muskeln.

Die toͤdtliche Farbe auf ſeinem Angeſicht hatte wohl den gewoͤhnlichen Ausdruck deſſelben veraͤndert, aber die Zuͤge des Antlitzes ſelbſt konnte ſie doch nicht veraͤndern.

Dieſe Zuͤge waren nicht ſchoͤn. Bei naͤherer Be⸗ trachtung wuͤrde man ſogar verſucht geweſen ſein, ſie haͤßlich zu nennen, weil ſie eine ganz launenhafte Eigen⸗ thuͤmlichkeit beſaßen und ein jeder fuͤr ſich nichts mit einander zu thun zu haben ſchien. Aber gerade dieſer Mangel an Harmonie gab dem Geſicht in ſeiner Ganz⸗ heit gleichviel ob in ruhiger oder ſtuͤrmiſcher Stim⸗ mung jene unerklaͤrliche Anziehungskraft und jenen unerklaͤrlichen Ausdruck, den man an einem ſchoͤnen

oft vergebens ſucht. G Aber jetzt war weder von Ruhe noch von Sturm die Rede. Es war eine nebelhafte Betaͤubung, mit Todesſchauern abwechſelnd, und deshalb ſpiegelten dieſe Zuͤge auch ein und daſſelbe Bild wieder: eine bebende Seele in den quetſchenden Armen des grauſamen Un⸗ geheuers, welches man Angſt nennt.

Wer blos fluͤchtig das Ausſehen und die Haltung des Mannes betrachtet haͤtte, wie der kalte Schweiß von ſeiner Stirn troͤpfelte, waͤhrend ſeine großen, in braun⸗ grauer Sammtfarbe ſpielenden Augen bald ſtier hinaus ins Freie blickten, bald wieder ſich mit Heftigkeit ſchloſſen,