Teil eines Werkes 
1.-4. Theil (1844)
Entstehung
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Mädchen können nicht wohl mit einem Geheimniß leben, wenn ſie nicht eine Vertraute haben, der ſie es mitthei⸗ len dürfen ihrer neuen herzguten Freundin Virginie einen kleinen Ueberblick über die Sache zu geben; ſie er⸗ zählte ihr die unbeſonnene Werbung des Oberſten, und als Seitenſtück die Zurücknahme der väterlichen Bitte durch Baron Klas.

Virginie erſtaunte und bewunderte Hedwigs Gut⸗ müthigkeit und Selbſtbeherrſchung, da ſie ſich nicht das Geringſte hatte merken laſſen.

Das war ich ja mir ſelbſt ſchuldig, meine Liebe! 4 entgegnete Hedwig und nahm eine etwas ſtolze Miene an.Siehſt Du, Virginchen, es ſteht zwar in der Macht des Oberſten und ſeines Sohnes, mich zu beſchimpfen, aber nur ich ſelbſt kaun mich erniedrigen; und das hätte ich gethan, wenn ich Leidweſen oder Aerger darüber hätte merken laſſen.

Virginie, die ſelbſt ſehr feinfühlend war, gab das zu; aber ſie hätte doch auch gerne gewußt, ob es Hedwig viel gekoſtet habe, ſich ſo ruhig zu zeigen.

Nein, nicht gerade ſo gar viel, antwortete dieſe lachend, indem ſie ihre Kravättchen in Papier einpackte, nicht gerade ſo gar viel, meine Kleine meinſt Du nicht, daß dieſe Blumen auf dem weißen Grunde ſehr hübſch ſind? denn ich hätte ihm auf alle Fälle einen Korb gegeben!

Jetzt war Virginie vollkommen beruhigt, und nach⸗ dem die beiden jungen Mädchen ausgemacht hatten, ein⸗ ander wenigſtens dreimal in jedem Monat zu ſchreiben, trennten ſie ſich unter Bezeugungen des lebhafteſten Schmerzes über ihren Verluſt.

Als Hedwig in den Wagen ſtieg, und Richard auf der einen und Virginie auf der andern Seite ſtand, flü⸗ ſterte ſie der Letztern mit thränenvollen Augen zu: 8 thut mir ſo wehe, von hier fort zu müſſen! Ich habe

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