Teil eines Werkes 
1.-4. Theil (1844)
Entstehung
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dere, indem er das Meſſer niederlegte und mit ſeinen friſchen weißen Zaͤhnen einen Angriff nach dem andern auf das Birkhuhngerippe machte, deſſen hübſche Dimen⸗ ſionen immer geringer wurden:Hm, hm, hm! liebe Henriette.

Lieber, guter Manning.

Hm, hm, mein Schatz!

Theurer Manning Du kennſt ja mein Zartge⸗ fühl für alle Leidenden.

Ja, ja.

Ach wie glücklich würdeſt Du mich machen, wenn Du mir erlaubteſt, Dich dahin zu begleiten.

Der Doktor, der unterdeſſen überdacht hatte, wer denn wohl von allen ſeinen Patienten die Theilnahme ſeines Weibes bis zu dem Grade erwecken könnte, ge⸗ rieth endlich auf die Vermuthung, daß ſie eine alte See⸗ kapitänswittwe meine, die kürzlich die ſchwere Trauerpoſt erhalten hatte, daß ihr Gatte geſtorben ſey, worauf auch ſie erkrankte. Da dieß indeſſen kein Geheimniß war, und es den ehrlichen Mann aufrichtig freute, daß ſein Weib eine ſo warme Theilnahme für ein ganz anderes Unglück bewies, als das war, welches ſie auf Umwegen auszuſpüren ſuchte, ſo antwortete er in freundlichem Tone:Warum nicht, liebe Henriette! Das darfſt Du gewiß, und ich danke Dir ſogar für Deine Theilnahmez aber Du mußt warten, bis die gefährlichſte Kriſis vor⸗ über iſt. Jetzt iſt ſie beinahe ohne Beſinnung.

Um Gotteswillen, lieber Manning! rief die Dok⸗ torin, entzückt über ein ſo großes beinahe außerordent⸗ liches Vertrauen,iſt die Kriſis ſchon vorüber? Nein, das hätte ich nicht geglaubt! Höre, mein Lieber, iſt es ein Knabe oder ein Mädchen?

Der Doktor, der gerade wieder im Begriff war, das Birkhuhn zum Munde zu führen, ließ es auf den Teller fallen, und ſeine Worte nahmen die allerpro⸗ ſaiſchſte Geſtalt an, die man ſich nur denken kann.Hen⸗ riette, ſagte er ſehr ernſt,biſt Du denn verrückt?