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gnügt; und nachdem er den Lachs und das Butterbrod als Ballaſt abgefertigt hatte, legte er die Serviette auf den Tiſch, ſchlug mit aumuthiger Leichtigkeit den Nock⸗ ärmel zuruͤck, und griff dann zu dem Meſſer, um, wie es ſchien, mit eben ſo viel Eifer und Ernſt das Birk⸗ huhn zu ſeziren, wie er ein paar Stunden ſpäter viel⸗ leicht einen Menſchen ſeziren wollte.„Sehr gut, liebe Henriette: Ein ſchönes Frühſtück, recht ſchmackhaft! Schenke mir halbvoll, mein Kind.“
Die freundliche Hausfrau erwies ihrem Mann die gewünſchte Artigkeit, ſetzte jedoch, ohne irgend ein vor⸗ bereitendes Wort zugleich hinzu:„Ich hoffe, Du biſt ſo ſanft und theilnehmend wie möglich gegen die arme Perſon?“
„Wa was? was beliebt?“ rief der Doktor;— zum erſten Mal war es ſeinem Weibe gelungen, ihn wirklich verblüfft zu machen. Er wußte nicht, von welcher Richtung her der Wind blies. Denn er war vollkommen überzeugt, daß außer ihm ſelbſt und der be⸗ ſagten eraminirten Frau keine menſchliche Seele der ge⸗ heimnißvollen Dame Aufenthalt in der Stadt wußte. Ueberdieß war die Frage ſo einfach und offen, daß es einem bekannten Gegenſtande gelten mußte.
„Mir beliebt nichts, mein beſter Freund,“ fuhr Frau Manning fort, indem ſie gar freundlich über die ſichtliche Wirkung lächelte, den dieſe früher noch nie er⸗ probte Methode, alle Präludien auszuſchließen, hervor⸗ brachte. Ich möchte Dich nur innig bitten, daß Du Deine Stimme ſo weich und angenehm als möglich machſt, wenn Du mit ihr ſprichſt, denn die Wahrheit zu ſagen, Du biſt gewöhnlich etwas herb. Wir Weiber fühlen auch im Unglück eine gewiſſe Sympathie für ein⸗ ander; und ich bin gewiß, eine geheime Stimme ſagt es mir, daß ich weit beſſer als irgend Jemand ihren Schmerz theilen und lindern könnte, wenn Du mir nur erlauben wollteſt, Dich dabei zu begleiten.“
„Hm! hm!“ ſagte der Doktor einmal über das an⸗


