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Aber ſeit mehreren Jahren hatte die arme Nanny keine Mutter mehr. Doch wurde der Platz derſelben durch eine Schwägerin erſetzt, welche für Nanny die Eigenſchaften einer Schweſter, einer Freundin und einer Mutter vereinigte.
Nanny hatte wor Kurzem ihr ſechzehntes Jahr zu⸗ rückgelegt, ſah aber aus, als wäre ſie kaum fünßzehn.
Ihre Wange war nicht roth und friſch, wie junge Mädchen zu ſein pflegen, auch deutete ihr Antlitz nicht hin auf die leichte Sorgloſtgkeit der Jugend. Es war wehmüthig und träumend, dieſes gute und ſanfte Antlitz, und die Wehmuth paßte ſehr gut zu der reinen Bläſſe auf ihrer Wange, deren Haut an Weichheit und Fein⸗ heit der Pfingſtlilie glich.
Nanny war ein Kind der Armuth und gehörte der Menſchenklaſſe an, welche in vieler Hinſicht weit ſchlim⸗ mer daran iſt, als die meiſten andern, weil die Mit⸗ glieder einer Familie— wenn nämlich eine ſolche Familie zufällig zwiſchen den Familien zweier andern Klaſſen allein zu ſtehen kommt— als eine Art von Parias angeſehen werden, die weder auf der einen noch auf der andern Seite aufgenommen werden können... wir meinen die Klaſſe, welche gewöhnlich„arme Halb⸗ herrſchaft“ benannt wird.
Das Oberhaupt des fraglichen kleinen Geſchlechtes
war in ſeiner Jugend zu einem ganz andern Stand⸗
punkt im Leben beſtimmt worden, als derjenige war, worauf er ſich jetzt befand.
Als die Frucht einer ungeſetzlichen Vereinigung kam er hinaus in die Welt mit erborgtem Namen, aber doch ganz guten Hoffnungen; denn es war abgemacht, daß ſein Bater— ein vornehmer Mann— ſich auf dem Todbette mit ſeiner Geliebten trauen laſſen und den Sohn adoptiren ſollte, welcher letztere dann einer geebneten Bahn entgegen ſehen konnte.
Doch der Tod, den man in dieſer Angelegenheit nicht zu Rathe gezogen hatte, beliebte in einer Nacht


