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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
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Nun, nun, ſetzte eine Andere mit einem ſchlauen Lächeln hinzu,wir haben nie gehört, daß ſie ein kur⸗ zes Gedächtniß gehabt habe, und es iſt noch nicht lange her, als ſie durch unſer Mitleiden den Weg hie⸗ her fand.

Jedenfalls, ſchloß die junge Pfarrerin,gehört ſie jetzt nicht mehr zum Adel, ſondern iſt Gott ſei Dank! eben ſo bürgerlich, wie irgend eine von uns, und ich hoffe, es wird ſich jetzt gar nicht mehr fragen, ob ſie Einen annehme oder nicht, da wir ja beſchloſ⸗

ſen haben, auf einem familiären Fuße mit ihr zu leben.

Die Stadt bekam nie mehr einen Grund, ſich über Marie Luiſe zu beklagen, obſchon Alles allmälig wieder in das alte Geleiſe kam. Ohne daß eine von den andern Frauenzimmern es bemerkte, bildete ſie wieder die vornehmſte Zierde der Geſellſchaften, ſo⸗ wohl was Schönheit, als was Ton und Kleidung be⸗ traf, und ſie entlehnten nicht nur ihre Muſter von ihr, ſondern auch, ſo weit dies möglich war, ihre Sitten.

An einem ſchönen Frühlingstage, ein Jahr nach Williams Verheirathung, wurde ein Feſt froher Be⸗ deutung gefeiert. Schwiegermutter und Tante Gret⸗ chen ſprangen außen um einander herum, während William ſingend und närriſcher Freude voll aus und ein ſtürmte, aber immer wieder nach einer derDocken⸗ ſtuben kam, wo ſein angebetetes Weib gegen die Sophakiſſen zurückgelehnt ſaß und die Füße auf dem Schemel ruhen hatte, den er wenigſtens zehn Mal in der Viertelſtunde hin und her rückte.

Bei einem dieſer vielen Beſuche ſprach Marie Die Erkerſtübchen.