„Und ich,“ verſetzte Marie Luiſe, indem ſie ſeinen Blicken folgte,„ich danke Gott, daß dieſes Haus eben hier erbaut worden iſt, und daß dieſe kleinen geliebten Zimmer, in denen ich meine Werktagsreſidenz aufſchla⸗ gen will, ſo liegen, daß ich täglich bei meinem Gebet nach dieſem Dacherker hinüber blicken kann, wo meine wichtigſten Schickſale entſchieden wurden, wo ich durch meine früheren Fehler mir ſelbſt jahrelanges Elend geſchaffen habe, und wo auch meine Reue und meine Thränen, wie ich hoffe, die Flecken abbleichten, welche dieſe Fehler einſtmals zurück ließen.“
Marie Luiſe ſprach dieſe Worte in großer Bewe⸗ gung. William antwortete nur dadurch, daß er ſie feſter in ſeine Arme ſchloß.
„Herr Ingenieur!“ tönte Carls Stimme von der Thüre her. Carl war jetzt aus einem flinken Bedien⸗ ten ein ganz Gentlemaniſcher Kammerdiener geworden, und ging mit keinem geringeren Plane um, als ſich mit einem der jungen Höcker der Stadt zu aſſociren, bei welchem Vorſchlag Carl auf den Beiſtand ſeines Herrn rechnen durfte. Denn jetzt, wie immer, war er ſein Liebling, das wußte er.
„Was gibt's?“ fragte William, der, wie Carl be⸗ merken konnte, von ſeiner Erſcheinung nicht ſonderlich erfreut war.
„Herr Pellander iſt draußen, und ich kann nicht mit ihm fertig werden.“
„Bruder Jansſon, gehorſamer Diener, Bruder Jansſon!“ ſcholl jetzt Pellanders Stimme ſeligen An⸗ denkens von der halbgeſchloſſenen Thüre her.„Herzens⸗ bruder Jansſon, da ich in der Stadt bin, ſo— Ah ſieh da eine Viſite— die gnädige Frau, die Gott ſei Dank ſo hübſch und gut ausſieht, daß Niemand an den Schnee denken kann, der im vorigen Jahre fiel, obſchon es eigentlich, genau genommen, heuer war. Nun, darf man gratuliren. Darf man gratuliren?“
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