309
ich ſieben Jahre angebetet habe, für deſſen Glück ich mein Herzblut opfern wollte, die mir Thränen ausge⸗
preßt hat und— o Gott verhüte, daß ich jemals wie⸗
der ſolche vergießen müſſe— dieſes Weib iſt jetzt für ewig mein, mein, um alle meine Leiden zu belohnen, mein, um einmal im Genuß des höchſten, wahrſten Glücks des Lebens ſelbſt glücklich zu werden! Nein! das Alles, meine geliebte, ſüße Marie Luiſe, verlange ich noch nicht ſagen zu dürfen. Aber hier, in Deiner Heimath will ich es ſagen können, hier, wo es keine Neider gibt, keine lauſchende Ohren, hier, wo ich Dich wieder hören kann, ohne fürchten zu müſſen, daß ein einziges Deiner Worte von fremden kalten Lippen von mir weggeführt werde— O, ſprich! ſprich! ſind nicht jetzt alle Prüfungen, alle Sorgen vorbei? Iſt Ma⸗ rie Luiſe nicht mein?“
Das Gefühl der Seligkeit, das zu groß iſt, um im Herzen Raum zu finden, flüchtet ſich in's Auge. Marie Luiſe hatte zwar noch eine ſchwache Macht über den Dolmetſcher des Herzens, die Lippen, aber über die Blicke hatte ſie keine mehr. William ſah die Thräne in den Augenwimpern zittern und helle Wol⸗ ken über die Wangen hinflammen. Doch da er fürch⸗ tete, noch einmal denſelben Mißgriff zu begehen, wie vor ſechs Jahren, ſo wagte er's nicht, dieſe Sprache zu dolmetſchen. Er wollte einen ſprechenderen Beweis haben und würde vielleicht einen ſolchen erhalten ha⸗ ben, wenn nicht in demſelben Augenblicke Frau N. mit einem ganzen Arm voll Chokoladetafeln hereinge⸗ treten wäre und ihn herzlich willkommen geheißen hätte.
William, der ſonſt immer freundlich und artig gegen die gute, würdige Frau geweſen war, mit der er ſich ſo oft in ihrem Kummer unterhalten hatte, wünſchte ſie jetzt, wo nicht gar zu weit, ſo doch we⸗ nigſtens in die Küche zurück. Aber Frau N. hatte
Die Erkerſtübchen. 20
c im jaft


