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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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Seite der Rathsherrin in den geſandelten Wegen des Gartens auf und ab, wobei ſie eine Seligkeit, einen Frieden genoß, den ſie lange für immer verſchwunden wähnte. Mit jeder Morgenſonne, die neu über ihrem Leben ſtrahlte, erweiterte ſich ihr Herz mehr und mehr. Die dunkeln Wolken vergingen und ließen endlich nur noch eine Erinnerung zurück, die zwar ſtets wehmüthig, aber doch ohne Bitterkeit war; denn überſtandenes Un⸗ glück verleiht, wenn nur der Friede des Gewiſſens ge⸗ borgen iſt, eine Seligkeit, die nicht minder groß iſt, als die Freude, obſchon ſich ein Ton zitternden Schmer⸗ zes ſtets durch dieſelbe hinziehen muß.

Es war Marie Luiſens höchſtes Vergnügen, wenn ſie bei Sonnenuntergang im Schatten der Spaliere des Rathsherrn ſitzen und auf den Fluß hinausblicken konnte, der ſo nahe lag, daß ſein Waſſer gegen das Staket des Gartens ſpritzte. Wie war es hier ſo ſchön, wie war es ſo ruhig und harmoniſch! Bald wurde

der Beſitzer daheim erwartet, wie würde es dann wer⸗

den? Bei dieſem Gedanken, der gegen ihren Willen ſo

oft wiederkehrte, bebte ein lange zurückgewieſenes Ge⸗

fühl durch ihr Herz. Sie zwang ſich jedoch dieſen Ge⸗ enſtand zu vergeſſen, der ihre Begriffe verwirrte und e träumen machte, wenn ſie arbeiten ſollte.

Es verzögerte ſich einige Tage über Johanni, bis William zurückkam, und die Rathysherrin fürchtete ſchon wieder einen Brief„im Namen der Menſchlichkeit“ zu bekommen, als endlich ihr Ingenieur friſch, ſonnver⸗ brannt und wohlbehalten, aber beinahe in einer höchſt üblen Laune darüber anlangte, daß ſeine ganze Ge⸗ ſchäfte ihn drei ganze Tage über die Zeit aufgehalten hatten, wo er hätte daheim ſein wollen.

„Du kommſt um keinen Tag zu ſpät, da Du doch jedenfalls noch lange zu warten haſt, mein Junge,“ meinte Tante Grete beruhigend.

Alles ber dieſe wohlmeinende Beruhigung der Alten ſollte Lein Tropfen Waſſer auf flammendes Feuer.

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