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berührt habe; ſie athmete leichter, ſie fühlte weder Furcht noch Verlangen, weder Sehnſucht noch Erinne⸗ rung— Alles war aufgelöst in der Wonne des Au⸗
genblicks.
Leiſe näherte ſich die gütige Mutter und legte ihre Arme um die theuere, gereinigte Tochter.„Mein Kind, mein geliebtes Kind! hier werden wir wieder werden, was wir einſt waren. Ach wie groß, wie gütig iſt Gott!“
„Ja,“ antwortete Marie Luiſe, indem ſie die ge⸗ falteten Hände gegen den Himmel aufhob, zu den tauſend funkelnden Welten in der ruhigen Bläue,„ja wie gütig, wie groß! Nie in meinem Leben werde ich dieſen Abend vergeſſen.“
Am nächſten Morgen ſollte Marie Luiſe andere Gefühle bekommen. An dieſem Tag ſetzte die Stadt ihre ſchönſten Kräfte in Bewegung; Jungfern und Laufmädchen wurden zu Dutzenden von allen Stadt⸗ frauen mit den tauſend verſchiedenen Bedürfniſſen in Bündeln, Körben und Paketen herbei geſchickt, welche man für unumgänglich nothwendig für die Neuange⸗ kommenen erachtete. Die Freigebigkeit überfluthete nicht nur in Eßwaaren, ſie zeigte ſich auch in einer Menge mehr oder weniger abgetragener Kleidungs⸗ ſtücke vom ſchwarzen Bombaſſin⸗Kleid der Bürger⸗ meiſterin bis zum Weißzeug herab. Wenn man die Abſicht gehabt hätte, eine recht peinliche Tortur zu erfinden, ſo hätte man es auf keine beſſere Weiſe zu Stande bringen können, als gerade durch dieſes Ver⸗ ſöhnungsfeſt. Marie Luiſe war zwar allerdings, wie die Stadt es nannte, vom Unglück betäubt; aber ſie hatte doch noch ſo viel feines Gefühl, daß ſie es tau⸗ ſendmal vorgezogen hätte, Nächte lang zu arbeiten, als einen ganzen Tag ſo dazuſtehen und zu danken, und ſich zu verneigen und ein Bündel nach dem an⸗ dern aufzulöſen, ohne daß ſie wagen durfte, Etwas


