Druckschrift 
Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
Einzelbild herunterladen

286

Unter ſolchen Geſprächen näherte ſich unſer reiſen⸗ der Rathsherr allmählig dem Ziel.

„Dort, wenn der Herr das roth angeſtrichene Haus ſehen kann, das zwiſchen dem Schneehaufen her⸗ vorſieht— der eine Giebel iſt erleuchtet— dort woh⸗ nen ſie.“

Der Rathsherr führte den Wollhandſchuh nach dem Auge. Nicht ohne eine zarte Regung konnte er das Licht von dieſer niedern Wohnung herſchimmern ſehen, die in den Schnee eingebettet lag. Das war alſo Marie Luiſens Heimath— die Heimath derjenigen, welche er das letzte Mal in einer eleganten Equipage zu den Freuden und Vergnügungen der Welt hatte hinausfahren ſehen. Das ſchöne, ſtolze Weib, wie mochte ſie jetzt ausſehen?

„Man kann nicht ganz hinkommen,“ meinte der Fuhrmann,„ich will alſo hier halten und dann den Schlitten zu Nils Perſſons führen, wo der Herr ein Nachtquartier haben kann— denn ich glaube nicht, daß die Frauen eines anzubieten im Stande ſind— und dann müſſen wir auf dem Fußpfad weiter gehen, der in den Schnee getreten iſt.“

„Du haſt Recht,“ ſagte der Rathsherr und be⸗ gann ſich aus dem Fuhrwerk zu bewegen.

Es war nur ein kleines Stück weit bis zur Thüre. Bald klopfte der Alte an und man öffnete.

Mit einem brennenden Fichtenſpahn in der Hand kam ihm Marie Luiſe entgegen.

„Ach, was ſeh ich!“ rief ſie vor Freude und Ge⸗ müthsbewegung beinahe außer ſich.

Der Rathsherr nicht weniger gerührt, ließ das Familienkleinod, den koſtbaren Wolfspelz, nachläſſig auf den Boden fallen und ſtreckte die Arme aus, um ſein Blume, das ſchöne Fräulein im Dacherker, zu um⸗ armen.

„Worte,“ ſtammelte Marie Luiſe, indem ſie den