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heute ebenfalls allein, und vielleicht war es dieſe Gewohnheit, ſich ſelbſt aufzuführen, was ihrem Be⸗ nehmen und ihrer Haltung, die Manche einem Gefühl der Ueberlegenheit zuſchrieben, eine Sicherheit und eine gewiſſe Freiheit gegeben hatte, welche über die Schran⸗ ken hinausging, an welche die jungen Mädchen der Stadt gewöhnt worden waren.
Marie Luiſe trug heute ein Kleid, das nicht nur Neid, ſondern beinahe ſogar eine Art Gährung im Kreis der Damen hervorrief. Die ganze Stadt wußte, daß„die Gnädigen im Dacherker“, wie man ſie in der Stille nannte, die ganze Woche vor Weihnachten kein einziges Scheit Holz mehr gehabt hatten, als das Geliehene— und jetzt trug ſie ein Kleid von violet⸗ tem Tafft!„Nein, Maß in Allem!“ ſagte die Pfarre⸗ rin, eine kleine, neuvermählte Dame, die nicht zu⸗ geben konnte, daß ihr ſchwarzes Levantin⸗Brautkleid von einem andern verdunkelt wurde, zumal da dieſes, das Brautkleid nämlich, eine Menge Hochzeiten, Kind⸗ taufen und Begräbniſſe in einer langen Reihe von Jahren vor ſich hatte.
„Fräulein Marie Luiſe hat dieſen Zeug von der Baronin von Segersſtad zum Weihnachtsgeſchenk be⸗ kommen,“ bemerkte eines jener ſeltenen guten Weſen, welche ſich durch den Ausbruch des Reides verletzt fühlen.„Sie bekam es, weil ſie das kleine Fräulein ſo hübſch zeichnen lernt, und weil die Baronin über⸗ dies Fräulein Marie Luiſe ſtets wie eine Schweſter behandelt.“
„Das mag ſein, Mamſell T.; aber es paßt ſich jedenfalls nicht ſehr für Fräulein Marie Luiſe, ein ſol⸗ ches Kleid anzuziehen— darüber könnten wir einig ſein. Ich denke doch wahrhaftig, ſie war auf dem letzten Ball in ihrem Florkleid elegant genug⸗“
„Aber da ſie jetzt einmal den Zeug bekommen hat, ſo mußte ſie ihn doch benützen.“. „Meiner Anſicht nach wäre es weit nützlicher ge⸗


