weißt, daß er die Geduld, dieſe wünſchenswerthe Göt⸗ tergabe, beſungen hat— aber es gewährte mir we⸗ nig Troſt, und ich fordere die ganze Dichterſchaar heraus, mir offen zu geſtehen, ob ſie auch nur eine Unze davon behalten haben, wenn ſie je einmal Theil⸗ nehmer an dem großen Unglück waren, das unſerem Mißgeſchick die Krone auſſetzte.
Unſere Vorfahren— das waren große Männer — die konnten beinahe Alles entbehren! Später wuchs jedoch, ohne daß man beſtimmt weiß, wo der Saame gepflanzt wurde, der große ſich immer weiter ver⸗ zweigende ſchlimme Baum der Erkenntniß und des Be⸗ gehrens, unter deſſen Aeſten wir klein gewachſene Nach⸗ kommen Schutz ſuchen. Die Bedürfniſſe vermehrten ſich wie die Heuſchrecken und man ſchämte ſich nicht, dieſe Entartung zu geſtehen. Holberg ſagt ja offen in ſeinem Peter Paars:„Ohne Bier und Brod iſt der Held nichts.“ Die Stürme hat er jedoch vergeſſen, woraus man ſchließen kann, daß Holberg dieſes Hel⸗ dengedicht im Sommer ſchrieb. Aber es fragt ſich nun, wenn ſchon der Held ohne Speiſe und Trank nichts iſt, was ſollen dann die gewöhnlichen Menſchen in der⸗ gleichen Umſtänden ſein? Ach— noch weniger als Nichts.
Merkwürdig jedoch! je mehr ich mich der Kata⸗ ſtrophe nähere, deſto höher ſteigt meine Leidenſchaft für ausgezeichnete großartige Beiſpiele in der Wirk⸗ lichkeit. Ich klammere mich an die Geſchichte feſt, und ſehe hier den von Gott geſandten Napoleon und ſeinen Zug nach Rußland. Nicht einmal er, das heißt, er in ſeiner Armee dargeſtellt, konnte Kälte, Hunger und Durſt aushalten; er fiel von Allem entkleidet außer der Ehre. Konnte er aber mit anſehen in philoſophi⸗ ſcher Ruhe auf Elba ſeine Unmacht und den Fall ſei⸗ nes großen Werkes? Nein! noch einmal ſchwang ſich der Adler gegen die Wolken des Himmels, bis Jupi⸗ ters Blitz deſſen Ebenbild auf Erden er ſein wollte,


