„Was iſt däs für eine Geſchichte— was ſollen die Gardinen unten, wenn es mondhell iſt?“
„Sie hatten mir das letzte Mal Schläge verſpro⸗ chen, als ich vergeſſen hatte, ſie herabzulaſſen.“
„Damals war es ja abnehmender Mond, Du Dummkopf.“
„Ja wohl; freilich. Aber es iſt doch auch jetzt nicht ſo hell“—
„Nichts raiſonnirt! Zieh' die Gardinen auf— aber morgen bei Zeit mußt Du ſie wieder herablaſſen, verſtehſt Du?“
„„Ja, aber ſagen Sie es künftig, Herr Ingenieur, wenn Sie es anders haben wollen.“
„Gehab' Dich wohl.“
William legte ſich in dem ſogenannten Mondſchein, der alle mögliche Aehnlichkeit mit dem berüchtigten Stockholmer Polizei⸗Mondſchein hatte, nieder. Aber es war ihm unmöglich, zu ſchlafen, denn noch zwei Stunden lang brannte Licht gegenüber und eine Ge⸗ ſtalt, die er wohl kannte, zeigte ſich durch den Vor⸗ hang. Sie war an dem Tiſche im Erker beſchäftigt; was ſie aber that, konnte er nicht ſehen.
„Sie iſt ſo arm, daß ſie bis ſpät in die Nacht hinein arbeiten muß— aber dennoch ſtolz, wie wenn ſie die Erbin einer Million wäre!“
5.
Der Himmel ſchuf uns nimmermehr zu Knechten, Er ſchenkte uns des Willens frei Geſetz; Des Herzens Feld ſoll nicht in finſtern Nächten Pfleglos verwildern in der Glieder Netz. Euphroſyne. „Marie Luiſe, mein geliebtes Kind, bleibe nicht länger auf— es iſt über ein Uhr. Ich hörte den Wäch⸗ ter ſchon vor ziemlich langer Zeit rufen!“


