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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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von den Papieren, indem er that, als ſei er eifrig damit beſchäftigt.

Ich ſoll die Chokolade morgen holen, ſie habe heute keine fertig, ſagte ſie.

Und die Reinſchrift das haſt Du wahrſchein⸗ lich vergeſſen, das kann ich mir denken.

Nein, ich habe wohl daran gedacht, und darüber ſollte ich auch morgen Beſcheid bekommen.

Es iſt gut! Ich will heute ungeſtört ſein und arbeiten. Ziey' jetzt die Schlüſſel ab und präge Dir wohl ein, daß ich heute für Niemand zu Hauſe bin.

William ſummirte nun das Eine mit dem Andern. Die reinen Gardinen und der Umſtand, daß er am an⸗ dern Morgen eine Antwort bekommen ſollte, bezeich⸗ neten ja deutlich, daß Fräulein Marie Louiſe heute kommen würde.

Unſer Held ſagte ſich zwar, es ſei höchſt lächerlich, daß dieſe Kleinigkeiten ihn intereſſirten, und ſeine Auf⸗ merkſamkeit von andern Gedanken abzuziehen vermöch⸗ ten, aber andererſeits ſchien es ihm verzeihlich, daß ein junger Mann ſich darauf freuete, eine hübſche Nach⸗ barin zu ſehen, von der er ſo viel Gutes gehört hatte. Wenn er ſie nur einmal geſehen hätte, ſo würde ſich das Fieber ſchon legen.

Der Tag und auch der Abend vergingen jedoch, ohne daß ein Fuhrwerk an der nachbarlichen Thüre hielt, und erſt als der Ingenieur ärgerlich das Licht gelöſcht und ſich gegen die Wand gewendet hatte, ſchlug das Geräuſch von Wagenrädern an ſein Ohr. Jetzt mag ſie betrachten, wer will, ſagte er mit ſtoiſcher Gleichgültigkeit; ſtand aber deſſen ungeachtet auf, um zu ſehen, ob Carl nicht vergeſſen habe, die Gardinen herab zu laſſen. Carl hatte es auch richtig vergeſſen.

Im Erker gegenüber war man nicht ſo nachläßig geweſen. Da es aber dort lichthell und bei dem In⸗ genieur dunkel war, ſo hatie er das unbeſchreibliche Ver⸗