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den Willen ihrer Verwandten mit dem Sauſewind zu vermählen, ſo verlor ſie zwar die großen Verwandt⸗ ſchaften, mit denen ſie noch hie und da groß thut; aber es blieb ihr eine gute Portion Verſtand und Wiſſen, und da ſie, wie man geſtehen muß, eine tüchtige Mut⸗ ter iſt, ſo hat ſie Beides dem jungen Mädchen beige⸗ bracht. Denn das Fräulein iſt es vornehmlich, die das Wenige herbeiſchafft, das einkommt.“
„Aber die Mutter macht ja Chokolade?ℳ ſagte William mit einem Ton der Theilnahme, welche er bereits für die arme Familie empfand.
„Freilich, freilich; ſie kann doch nicht daſitzen und die Hände in den Schoos legen, während Ln
en, der Engel, für Zwei arbeitet. Und die okolade 6— obſchon ich nie ſolches Zeug trinke— recht gut, das ſagt wenigſtens Gretchen, die ſich auf das und auf noch mehr Dinge verſteht.“
„Und einem ſo geſchickten Mädchen hat der Herr noch keinen Freier geſandt?“
„Sie könnte ſchon verlobt und verheirathet ſein, wenn ſie nicht ſo heikel wäre. Denn wie das nun iſt, ſie hat auch noch einen Hieb von dem vornehmen We⸗ ſen. Und, im Vertrauen geſagt— aber Niemand ein Wort davon— der Doktor und der Apotheker haben dort Beide einen Korb geholt, ehe ſie wo anders ein Jawort bekamen. Das Merkwürdigſte aber iſt, daß einer ihrer Verwandten von väterlicher Seite ein bra⸗ ver, ordentlicher und geborgener Menſch— er fährt wenigſtens ſechs Paar Ochſen auf unſern Jahrmarkt— ebenfalls einen Korb bekommen hat. Wir nennen ihn hier den Jahresfreier, denn er kommt ſtets in ſeiner Chaiſe hinter den Ochſen drein, und freit jedes Mal, zieht aber ſtets mit langer Naſe wieder heim.“
„Das bewundere ich,“ verſetzte der Ingenieur leb⸗ haft.„Ein armes Mädchen, das eine reiche Frau zu werden verſchmäht, hat Charakter— die Arbeit wird ihr nicht beſchwerlich.“


