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Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
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alten Frauengeſichtern konnte er ſich nicht enthalten, eine Art Bekanntſchaft dadurch einzuleiten, daß er ſich achtungsvoll über den Tiſch hin verbeugte, eine Artig⸗ keit, welche die Bewohnerin des Erkers(die nicht ge⸗ rade ſo alt war) mit einer anmuthigen Verneigung des Kopfes erwiederte.

Aber gute Vorſätze können nicht ewig dauern. William begann bald einzuſehen, daß es in einem Städtchen, wo man eine Menge Bekanntſchaften ge⸗ macht hat, nicht eben ſo gut angeht, ſeine Arbeit auszuführen, wie in der Einſamkeit auf dem Lande, wo die Arbeit im Winter das größte Zerſtreuungs⸗ mittel iſt. Auch konnte er ſich nicht verhehlen, daß er bisweilen eine gewiſſe Neigung fühlte, in Carls In⸗ ſtruktion eine und die andere Ausnahme zu machen. Kurz, es kam dahin, daß der Herr Ingenieur ſchon am vierten, fünften und ſechsten Tag ſeiner erſten Arbeitswoche es für unartig hielt, den Beſuch der Einladung dieſes oder jenes guten Freundes zurückzu⸗ weiſen, und endlich kam er auf die Entdeckung, daß zu viel Nachtarbeit den Augen ſchade.

Dieſes ungewöhnliche Verhältniß konnte jedoch bei einer Perſon, die ſo mit Arbeiten überhäuft war, nicht wohl ſtatt finden, ohne daß die Geſchäfte dadurch hie und da liegen blieben, was eine Erſchütterung des bereits gewonnenen Vertrauens zur Folge haben konnte. Und da William bemerkte, daß er bald dahinten blei⸗ ben würde, ſo begann er nach irgend einem armen Teufel zu fahnden, für den es eine himmliſche Wohl⸗ that ſein könnte, wenn er ihm ein Theil ſeiner Laſt abnehmen dürfte, ſei es nun durch Reinſchreiben oder Illuminiren der Karten.

Kennen Sie vielleicht eine Perſon, Herr Raths⸗ herr, die eine zuverläſſige und hübſche Hand hat? fragte der Ingenieur, als er das nächſte Mal ſeinen Wirth traf.Ich habe ſo viele Geſchäfte über mich genommen, daß ich einen Gehülfen bedarf.