Druckschrift 
Die Erkerstübchen : eine Erzählung : vier Theile / von Emilie Flygare-Carlén
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

ſon beilegte, aber daß dieſe Wichtigkeit ſo weit ging, daß er durch Carls zufällige Verſäumniß in die Freier⸗ liſte der Stadt geſetzt wurde, das ließ er ſich um ſo weniger träumen, als er ſich nicht bewußt war, einer der Damen den Vorzug gegeben zu haben, mit Aus⸗ nahme von zwei blühenden Frauen, die ihm die vor⸗ nehmſte Zierde der Geſellſchaft zu bilden ſchienen.

So offen auch Williams Gemüth ſtets für Poeſie und Freude geweſen war, ſo hatte er doch von Kind⸗ heit an gewiſſe Eindrücke in ſich aufgenommen, die ſich nicht leicht mit etwas Anderem vermiſchen ließen. Er hatte ſich daran gewöhnt, die Arbeit mit Ernſt zu be⸗ handeln, und da er jetzt fand, daß er zu viel Zeit in den geſellſchaftlichen Kreiſen vergeudet hatte, ſo be⸗ ſchloß er weislich, den Verluſt wieder einzuholen und das mit einer Kraft, die den bereits erlittenen Scha⸗ den unfühlbar machen ſollte.

Zieh den Schlüſſel ab, Carl, ſagte der Inge⸗ nieur.Und mag kommen, wer will, ſo bin ich nicht zu Hauſe verſtehſt Du?

Drei Tage lang arbeitete er nach dem alten Takt, ohne ſich eine andere Zerſtreuung zu gönnen, als daß er hie und da einen Zlick über die Straße nach dem gegenüberliegenden Erker warf. Am erſten Tag hatte er bemerkt, daß er dort eine Nachbarin beſaß, damals aber nur flüchtig die Umriſſe eines ältlichen Frauenkopfes aufgefaßt. Am andern Tag, als er hie und da ausruhte, um die Feder zu ſchneiden, meinte er, in dieſem Geſichte etwas Edles zu finden, das ihm Ehrerbietung einflößte; und unwillkührlich lächelte er der alten Frau zu, die beſtändig damit beſchäftigt war, gewiſſe Dinge in Papier einzuwickeln. Er konnte Anfangs nicht unterſcheiden, was es war, er erfuhr aber nachher, daß es Chokoladetafeln ſeien, welche ſie nach einer mühſamen Zubereitung zum Ver⸗ kauf in die Stadt herum ſchickte. Am dritten Tag und der Ingenieur war ein Liebhaber von ſchönen