Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

237

und Unruhe kehrte er nach Hauſe zurück, wo der glückliche

Familienvater, der ſchon auf ihn gewartet hatte, ihn mit

einer Nachricht begrüßte, welche nichts Geringeres, als eine herzliche Umarmung zwiſchen den beiden Männern zur Folge hatte: Ein Töchterlein hatte das Licht der Welt erblickt und auf dem Tiſche ſtanden die Gläſer, mit dem beſten Weine gefüllt, den der Keller zu geben hatte, und warteten, auf das Wohl der jungen Dame geleert zu werden.

Der Rittmeiſter wurde ſogleich zu Gevatter geladen und zwar mit Fräulein Carolinaeine glückliche Vorbedeutung für künftige gemeinſchaftliche Pflichten, wie mein Vater ſich äußerte. Und noch an demſelben Abend eilte der entzückte Gevatter zum Goldſchmidt, um einen großen ſilbernen Becher als Taufgeſchenk zu beſtellen.

Als die Kleine dieſen Becher erhielt, ſchlief ſie in glück⸗ licher Unwiſſenheit in ihrer Wiege. An dem Tage, wo ſie denſelben verlor, knüpften ſich aber ganz andere Erinnerungen daran, als hier in dieſer kleinen Erzählung aufgezeichnet worden ſind.

Zwiſchen dem hier beſchriebenen Abend des achten Auguſts und der bald darauf folgenden Kindtaufe hatte der Rittmeiſter einen zweiten Beſuch in dem freundlichen Häuschen am Smed⸗ klefven gemacht. Wir wollen aber nicht ferner mit ihm in das kleine Heiligthum dringen, wo der Hauch entflohener Zeiten, der Duft einer innigen Liebe in größeſter Armuth nun gleichſam verwiſcht wurde.

Während der Rittmeiſter ſein eigenes Weſen zu ergrün⸗ den ſuchte und alle Licht⸗ und Schattenſeiten des Eheſtandes hervorholte, indem er ſich bald in dieſe bald in jene zu ver⸗ ſetzen ſuchte, war meine Mutter damit beſchäftigt, einen Na⸗ men für ihr letztgeborenes Töchterchen zu wählen. Sie hatte freilich ſchon mehrere Namen aus den Büchern ihrer Lieblings⸗ ſchriftſteller in Bereitſchaft, aber ſie hielt es gleichſam für eine