Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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Das junge, heiße Blut, welches bei jeder ſcheinbaren Beleidigung, bei jeder, der ſeinen entgegengeſetzten Meinung, welche Hoffnung zum Streite gab, ungeſtüm aufbrauſtte, lag wunderbar ruhig und nur von leiſer Briſe anmuthig gekräuſſt, als es den ſichern Hafen der Freundſchaft erreicht hatte.

Welch' feſtes, ſchönes Band der Bruderliebe knüpfte die alten Wikinger an einander! Noch im ſiebenzehnten Jahrhun⸗ dert wohnten am Skagerack Leute, welche dieſe Verbrüderungen in ihrer edleren Bedeutung zu ſchätzen verſtanden und ihnen mit Gut und Blut, mit Leib und Seele huldigten.

Der junge Rüttiger, vielleicht der letzte Sprößling vom Stamme der Wikinger, der ihr Blut in ſeinen Adern kreiſen fühlte, hatte ſchon früh einen ſolchen Freundſchaftsbund ge⸗ ſchloſſen; und noch als Mann, ja, als die Silberlocken ſeine ernſte, von ſchweren Sorgen gefurchte Stirn zierten, konnte er nie Krämer's Namen ohne jene tiefe Bewegung ausſprechen, welche in den Herzen der Zuhörer und ringsum in Erde, Luft und Waſſer, als klagender Seufzer wiederhallte.

Die beiden Jünglinge fuhren mehrere Jahre unter der goldigen Flagge der Jugend auf demſelben Fahrzeuge; und bei jedem kecken Streite, den ſie am Lande beſtanden, bei jedem Trinkſpruche, womit der Sieger im frohen Kreiſe begrüßt wurde, bei jeder ruhigen oder ſtürmiſchen Nachtwache, welche ſie einander auf offener See verkürzt hatten, ſchloſſen ſie ſich mit immer ſtärkeren Banden der Bruderliebe und des Vertrauens an einander.

Die geringſte Strafe, der geringſte Anſchein von Beſchim⸗ pfung, wurde von Beiden gleich tief empfunden. Wer den Einen in Zorn verſetzen oder ihm Schmerz und Aerger berei⸗ ten wollte, brauchte nur ein zweideutiges Wort über den An⸗ dern laut werden zu laſſen. Da konnte der ruhige Krämer den Sturm in der Freundesſeele nicht beſchwichtigen, und wenn nicht immer Blut, ſo floß wenigſtens reichlicher Schweiß bei

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