X. Der Brief aus der Stadt.
Die Eigenliebe des Weibes iſt zwar kein Gott, aber leider dennoch oft ein ziemlich ſicherer Prophet.,
Mathilde hatte zu ſich ſelbſt geſagt:„So lieb ihm auch ſeine angebetete Bertha iſt, ſo reiſt der Narr dennoch gewiß die ganze Nacht durch.“
Victor ritt wirklich die ganze Nacht durch.
Und er that es mit um ſo lebhafterem Vergnügen, als er allerdings eine Couſine hatte, die Bertha hieß, eine Schweſter der Jugendflamme des Rektors, aber dieſe junge Dame wußte ebenſo wenig als der leicht⸗ ſinnige junge Mann ſelbſt von irgend einer Verlobung zwiſchen ihnen.
Sie hatten einander wenigſtens zehn Jahre nicht geſehen. Der ſchlaue Anbeter meinte inzwiſchen, es ſei eine prachtvolle Idee, mit einer Braut zu par diren.
Dieß mußte ſeine Wittwe vollkommen beruhigen, und ſtand er einmal auf gutem Fuße mit ihr, ſo war es noch immer Zeit, über dieſen Schwank zu lachen.
Wer für den Augenblick mit ſeinen Ausſichten am wenigſten zufrieden war, das war natürlich der Rektor, der juſt eben am Morgen erwachte, als Victor in den Hof herein gallopirte. 4
Es mochte ungefähr 5 Uhr ſein.
Edwin wußte nicht, daß ſein Bruder am Abend weggeritten wär, und er machte ſich deßbalb die Mühe,
ſich in ſeinen Schlafrock zu hüllen, zum Fenſter hinaus⸗
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