Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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gefeſſelt hat. Aber weine nun nicht länger, Emma, ſondern laß uns verſuchen, heiter zu ſein, ſonſt werde ich dunkelſcheu. Erinnere Dich, daß jetzt Mitternacht iſt— das iſt die wahre Spukzeit; der unheimliche Schluß der vorhin geſungenen Bal⸗ lade hat mich ſo ſehr erſchreckt, daß ich mich kaum umzuſehen getraue, weil ich die Schatten der todten Liebenden hinter meinem Stuhle zu ſehen glaube.“—

Aber Emma konnte durchaus nicht munter werden, ſie dachte nur an den ſchönen Geſang und vermochte ſich kaum Rechenſchaft über ihre Gefühle zu geben. Um fünf Uhr wa⸗ ren die Mädchen mit ihrer Arbeit fertig. Sie legten ſich nie⸗ der und verſuchten zu ſchlafen; allein kaum hatte Emma eine Viertelſtunde in ihrem Bette gelegen, ſo kam Julie zu ihr ins Bett gekrochen und klagte, daß ſie durchaus nicht einſchlafen könnte. Emma lachte und rückte zu. Keine von Beiden ver⸗ ſuchte nun die Augen zu ſchließen; der Tag, als er in ſei⸗ nem ſtrahlenden Glanze kam, fand Beide noch im Geſpräch über die Serenade ergriffen.

Richard von Pur beſaß— wie ſchon früher erwähnt— Eduards ganzes Vertrauen. Es war natürlich, daß ſeit Ri⸗ chards Ankunft in Ber eine ſehr lebhafte Correſpondenz zwi⸗ ſchen beiden Freunden ſtattfand. Allein ungeachtet der gün⸗ ſtigen Gelegenheit, welche ſich jetzt darbot, ſchrieb Eduard den⸗ noch nicht an Emma; denn da ſie ſeinen italieniſchen Brief nicht beantwortet hatte, ſo nahm er für entſchieden an, daß ihr ein Briefwechſel mit ihm mißſiel. Es genügte ihm, in ſeines Freundes Briefen von ihr zu leſen.

Richard war zu zartfühlend, um Emma zu ſagen, daß er ihr Verhältniß zu Eduard kannte; allein er erzählte ihr von Eduard, ſo oft er einen Brief von demſelben erhielt; und er ſah, wie ſehr ſie ſich jedesmal darüber freute.

Sobald ſich die Mädchen angekleidet hatten, eilten ſie hinaus in den Garten, woſelbſt ſie Richard trafen. Dieß